Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 13 (1886)
- Issue
- 1 (1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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28 S. Goldschmidt. es denn auch am Ende des Gesetzes klar und deutlich ausgesprochen ist. Somit waren die Juden in ihrer Person und ihrem Vermögen gegen alle Uebergriffe der Barone, der geistlichen Würdenträger, und auch der königlichen Beamten in den Provinzen geschützt und gesichert. Unter diesem Schutze konnten sie die verliehenen Privilegien in ausgedehntem Maße benutzen, und man begreift dann den großen Aufschwung und die glückliche Entwicklung, welche sich in allen jüdischen Verhältnissen jener Zeit erkennen läßt. Wir haben oben gesagt, daß die Erpressungen Heinrichs I. zu den Seltenheiten gehören, wir wollen hier einen besonders bezeichnenden Fall anführen, der uns zeigt, wie König Heinrich sich aus Geldverlegenheiten zu befreien wußte. Im Jahre 1168 schickte Kaiser Friedrich Barbarossa eine feierliche Gesandtschüft, nm den englischen König für die Sache des kaiserlichen Pabstes zu gewinnen. Da Heinrich sich schon vorher in Gemeinschaft mit Ludwig VII. von Frankreich dem Pabst Alexander III. verpflichtet hatte, so gab er den kaiserlichen Gesandten kluge mtb ausweichende Antworten nnd entließ sie reich beschenkt in ihre Heimath. Das Geld zu den Geschenken verschaffte er sich auf eine sehr einfache Art. Auf königlichen Befehl mußten die reichsten Juden England verlassen und so lange in der Normandie iit der Verbannung leben, bis ihre Glaubensgenossen in der Heimath 5000 Mark bezahlt hatten"). Es ist dies nur ein Beispiel, 42) Gervasius ed. Stubbs I p. 205 a. a. 1168. Horum itaque causa legatorum fecit rex ditiores ex Anglia Judaeos transfretare ot reliquos in quinque milibus maras des discribere. Es ist allerdings merkwürdig, baß der König erst die reichsten Juden aus dem Lande gejagt hat. Er verschickte sie wohl als Geißeln für die so zu erpressende Zahlung. Auf diese Weise wurden auch die Steuern in Deutschland erpreßt. So z. B. wollten die Herzoge von Oesterreich im Jahre 1336 einen ihrer Gläubiger aus den Judeneinkünften befriedigen. Falls die Juden sich weigern würden, sollte derselbe zehn der besten darum fangen und nöthigcn, bis er die ganze Summe eingezogen hätte. Stobbe 1. 0. p. 36. Depping: Les Julis dans le moyen-äge hat den Grund der Steuer überhaupt nicht angegeben und Margolious I. 0. p. 101 hat aus 5000 Mark 5000 Pfund Sterling gemacht.