Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 12 (1885)
- Issue
- 1 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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46 Bernhard Ziemlich. Der Ritus von Sachsen liegt uns nicht vor, um ihn mit unserem Machsor vergleichen zu können. Wir sind jetzt bloß in der Lage, das Verhältniß unseres Machsor zu dem oftdeutschen oder rheinischen Ritus (Minhag Aschkenas), wie er im Maharil, und zu dem westdeutschen oder österreichischpolnischen Ritus, wie er in den Minhagim des Eisak Tyrnau niedergelegt ist, festzustellen. Zunächst ist zu constatiren, daß das Machsor Nürnberg in den meisten Fällen, in denen der Ritus Polen von dem deutschen Ritus abweicht, °) mit Ersterem übereinstimmt. Unser Machsor enthält also in seinen Grundzügen den spätem polnischen Ritus. Nur in verhältnißmäßig wenigen den deutschen Ritus charakterisirenden Eüizelnheiten stimmt es mit diesem überein. °) Häufiger jedoch sind die Fälle, in denen das Machsor Nürnberg sich sowohl von dem deutschen, als auch von dem polnischen Ritus unterscheidet, und das eben verleiht unserem Machsor seine Eigenthümlichkeit und sein besonderes Interesse. Nicht nur ist die Auswahl und Anordnung vieler Pijutim, Kinot und Selichot eine andere, sondern eine große Zahl, etwa 150 synagogale Dichtungen, sind in unserem Machsor enthalten, die nur in seltenen meist handschriftlichen Ritualien sich vorfinden. Unter diesen sind viele Pijutim, die wohl nicht zum Ritus des Machsor gehören und die mit אחר oder אחרת bezeichnet sind. Einzelne Stücke, die tu Pol. und Aschk. Kürzungen erfahren, finden wir hier vollständiger, oder ganz unverkürzt und uuverstümmelt. Unl die Eigenthümlichkeit dieses Ritus sowohl, als auch die in ihm enthaltenen 8) Ueber diese Abweichungen s. das. S. 74. sf. 6) So hat das Machsor N. kein Nischmat am Hochzeitssabbat und Thorafest, keine Geula am Beschneidungssabbat, am 7. Peßach- und 2. Schabuoth-Abend ein Bikkur; שחרית des Neujahrsfestes und desVersöhnungstages hat kein שהרית ,אתה הוא אלהינו des Bersöhnungstages kein לאל עורך, Neila har אז לפנות ערב und מערב עד ערב u. dgl. »I. 7) In Zunz Literaturgeschichte der Synag. Poesie sind die meisten nach den Handschriften in München, Hamburg, Oxford u. A. verzeichnet. Das Machsor Nürnberg ist nur an etwa 8 Stellen als Quelle angegeben; vgl. den vorigen Jg. dieser Zeitschr. S. 114 Anm. 7.