Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 12 (1885)
- Issue
- 1 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Hermann Deutsch. stempeln: - ein triftiger Grund, das salomonische Spruchbuch non dein Namen Desjenigen loszulösen, den die Ueberlieferung als dessen Verfasser nennt, liegt nicht vor. Denn nicht allein hat die Aufschrift hier das geschichtliche Zeugniß für sich, wonach die Spruchdichtung ein besonders viel gepflegter Zweig der dein Wissen und der Kunst zugewandten Geistesthätigkeit Königs Salomo gewesen sein soll, welche Ueberlieferung deutlich besagt, daß er auf dem Gebiete der Spruchdichtung nicht blos ״die fehucubcii Triebe seiner Zeit geweckt," daß er vielmehr selbst darin in ausgedehntestem Maße productiv schaffend gewesen, sondern auch der gesammte Inhalt der drei Theile nuferes Bllches trägt die Spuren jener Zeit und der iu ihr herrschenden sittlich-religiösen Anschauungen deutlich an sich. Zwar stehen der Annahme, daß der gesammte Inhalt dieses Spruchbnches die Frucht der dem Könige Salomo zugeschriebeueu Sprnchdichtung sei, einzelne, nicht ungewichtige Bedenken entgegen, und die Rabbinen des Talmuds und Midrasch haben diese auch nicht übersehen. Das geschichtliche 16,19. 25,13) verweisen, sondern an die dem Gesetze nachgebildeten Sprüche über die Schonung des Feindes (vgl. II. M. 23,5 mit Spr. 21,22. 24,17. 25,21) erinnern, die weit von dem entfernt sind, was dem sittlich gebildetsten Geiste der Alten befreundet gewesen. ״Tobg jmh <pttoug eu 7roirfv, roug d'ex&pobg xaxwg״, oder mit andern Worten: 8i quis vero laeserit, multandum simile jure — so lautet das Belenntnih der Liebespslichten, die selbst die höhere Ausbildung des Geistes im Alterthum erzeugt (Soerat. in Xen. Mem. II, 6, 35. Phädr. Fab. I. 26); höher geht jedoch die sittliche Anforderung in den Sprüchen Salomo's, weil sie aus den im mosaischen Gesetze niedergelegten Morallehren entspringt. Vergl. noch Matth. 5,43 und Spinoza, Tract. theol. polit. XIX,29, der den Ausspruch fälschlich Moses zuschreibt und siehe Naschi zu Jes. 15,5. 21,3). Mit Recht sieht darum auch Hitzig (Einl. S. XII) in der! Sprüchen Salomo's, im Unterschiede zu den Sprüchen anderer Völker, ״das Erheben derselben von der Allgemeinheit des Gedankens zur religiösen Weihe, der allgemeinen Theorie zur Zucht und Besserung des Lebens. Allenthalben athmet in ihnen der Geist des Gesetzes durch, und das ganze Gebiet der praktischen Lebenserfahrungen wird unter religiös-didactische Behandlung gestellt."