Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 12 (1885)
- Issue
- 1 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2572068-2572087-2572088--2241-2574387- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sprüche Salomo's. 15 gemacht wird, nämlich, daß man die Stellung der einzelnen Lehrer, die sich mehr oder weniger an den dogmatisch überlieferten Standpunkt halten (s. w. u. Kap. 1 Anm. 2), untersucht, oder auch die einzelnen Werke nach ihrem babylonischen oder palüstinäischen Ursprünge ans eine etwa in ihnen hervortretende verschiedentliche Anffassnng der einzelnen Bücher der heil. Schrift prüft. Schon der Talmud schreibt, wie oben gezeigt, den palastinäischen Gelehrten größere grammatische Genauigkeit zu, und auch in der homiletischen Anwendung herrscht hier insofern ein gewisser Unterschied vor, als bei elfteren das Nomodidactische,^) bei letzteren mehr die nationale Sage in der Auslegung überwiegt^;) eine Unterscheidung jedoch, die von den einzeineil Midraschwerken ansgeht und hierin eine verschiedenartige Anffassnng entdecken will, ist eine verfehlte und falsche, weil die gesammte haggadische Thätigkeit von dem mischnisch-talmudischen bis znm geonäischen Zeitalter im Großen und Ganzen von einem einzigen Prinzip beherrscht, aus einem einzigen Grundgesetz, das von Religion und Geschichte bedingt war, resultirt. Nur die Form (die Sprache, Anordnnng, Vortragsweise) trägt die Merkmale der Zeit und der Heimath, die sie hervorgebracht, all sich, nicht aber der Inhalt. Dieser besteht gleichmäßig in der freien Anwendung und allegorischen Auslegung des Schriftverses, wie sie, über ein Jahrtausend hindurch, sowohl bei den Inden, als bei den Griechen, Syrern und Christen in der Behandlung des Schrifttextes herrschend war.^) Erst das Anfblüheil der arabisch- 23) Vgl. Josephus, B. JucL II, 8, 14. Antiquit. XVII, 2, 4. s. auch das Schlußwort im prooem. dazu. 24) In den alexandrinischen Schriftwerken ist wieder das philosophisch-speculative Verfahren in der Auslegung deutlich bemerkbar. (Vgl. Philo d6 Josepho ed. Mang. II, 46.) Kurz die verschiedene Geistesrichtung hatte immer eine verschiedenartige Auffassung und Auslegung des Schriftwortes zur Folge. 25) Zunz in seinem für die geschichlliche Behandlung der Midraschliter. grurldlegenden Werke ״die gottesdienstl. Vorträge der Juden" (Bert. 1832) hat zwar den unterscheidenden Charakter der einzelnen Midrasch-