Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 12 (1885)
- Issue
- 1 (1885)
- Date
- 1885-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Hermann Deutsch. unschlüssig waren, ob es in der That nicht rathsamer wäre, einer gewissen gelehrten Sitte folgend, die Arbeit etwas spezieller zu fassen und die Stellung der Nabbinen jurn Spruch-- buche für die frühem oder spätern Talmud- und Midraschwerke gesondert nachzuweisen. Gewichtige Gründe jedoch haben uns die vorliegende Form als die bessere und wissenschaftlich begründetere erscheinen lassen, und diese sind die folgenden. Kein Zweig geistiger Arbeit der palästinensischen und babylonischen Talmud- und Midraschgelehrleir ist vielleicht so klar, als die Stellung derselben zu beu einzelnen Theilen der heil. Schrift im Allgemeinen und im Besondern, ebenso der Standpunkt und die Richtung ihrer biblischen Schriftauslegung. Von ersterer wissen wir, daß, abgesehen von der einige Zeit schwebenden Frage über die Canonizität des Hoheliedes und des Bltches Kohelet/0) allen biblischen Schriften im Großen und Ganzen göttlicher, heiliger Ursprung") zugeschrieben wor- 20) Sabbat 30 b. Peßikta r. c. l. Wajikra r. c. 28. Midr. Koh. c. 1. 21) Im Grade ihrer Heiligkeit scheidet sie die rabbinische Anschauung durch die Bezeichnung תורה für das Gesetz, נבואה Prophetie und חכמה für die Hagiographen (j. Talm. Makkot II, 8, welche Stelle w. u. Cap. IV Anm. 7 ausführlich erörtert werden wird), oder indem sie erstere ברוח נבואה vermittels ״prophetischer Begeisterung" (worin sie wieder künstlich zwischen der des Moses und der Propheten unterscheidet. Jebamot 49b), letztere (die Ketubim näml.) ברוח הקדש in ״heiliger Inspiration" abgefaht sein läßt. Ohne uns hier in diese schwierige Unterscheidung, in welche bereits Maimonides (More Neb. II, 45), Kimchi (in der Einleitung z. d. Psalmen) und Abravanel (in der Einl. z. B. Josua) tiefer eingegangen und deren Resultate Carpzov in seiner lutroduotwn ad. libros caDonicos V. T. (I. p. 26, III. p. 72) viel Kopfzerbrechen verursacht habe^׳, näher einzu lassen, wollen wir nur bemerken, daß, da der Ausdruck תורה nicht eigentlich ״göttliches Gesetz", der Ausdruck נבואה nicht eigentlich ״Prophezeiung" (s. Raschi Ex. 7, 1 und vgl. Joseph. 6. Ap. c. II) und רוח הקדש nicht gerade die ״höhere Inspiratien", sondern wie רוח ה׳, das Entstehen und Werden alles Höheren und Herrlichen in der Menschcnwelt, es sei durch die Hand des Künstlers (2 M. 31, 3), durch die Kraft des Helden (Richter 6, 34. 11, 29. 13, 25), durch die Tugend des Regenten (4. M. 11, 17. 1. S. 16, 13) und vieles Andere noch (1 M. 41, 38. Ps. 51, 12), was als Ausfluß des in der Welt wirkenden Gottesgeistes erscheint, bezeichnet, so ward mit