Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 11 (1884)
- Issue
- 1 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 135)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Reccnfionen. bildet die Vorbereitung für alle Wissenschaften u. s. w. Hierauf bemerkt Verfasser, daß die in seiner Zeit geläufige Ansicht über den primativen Anspruch der Juden an den profanen Wissenschaften, eine Repressalie gegen die von Augustin entwickelte Ansicht zu sein scheint, wonach die christianisch gedeuteten Stellen der alttestanlentlicheu Schriften der Christen wegen da seien, und auch ihnen gehören, wie dies besonders ein Zeitgenosse Jmmanuel's, Giordano diNivalto, nachdrücklichst und eingehendst betont. Daß aber Immanuel mit seiner Wissensfreundlichkeit unter den Gelehrten jener Zeit nicht vereinzelt stand, zeigt ein Ausspruch, womit Juda Romano eine Sammlung von übersetzten Auszügen aus Augustin, Albert dem Großen, Thomas v. Aquino u. A. abschließt. Er sagt dort: ״Ich sehe, daß die Söhne meines Volkes sich jeder Wissenschaft und Intelligenz berühmen, und daß sie der Ansicht sind, die Wahrheit und wirkliche Erkenntniß gingen den andern Nationen, insbesondere den Christen ab. Diese Wahrnehmung hat mich bestimmt, einige von ihren Abhandlungen aus verschiedenen Wissensgebieten zu übersetzen, um ihre Weisheit ans zuzeigen. Uebrigens fanden diese jüdischen Wissensfreunde durchaus nicht immer Gegenliebe, vielmehr eiferte beispielsweise der schon erwähnte Giordano di Rivalto gleichzeitig gegen die jüdische Wissenschaft')! Ganz besonders aber zeigt sich die Individualität der italienischen Juden in religions-philosophischer Beziehuug, d. h. zunächst die Zulassung der Philosophie zur Neligion überhaupt, eine bekanntlich noch heute und gerade heute beim Ueberhand nehmen des Chassidismus, sehr brennende Zeitfrage. Daß nun die Inden in Italien über die Religion zu denken, d. h. philosophieren gelernt, dafür sorgten schon, auch wenn es nicht aus eigener Initiative geschehen wäre, die streitsüchtigen confessionellen Gegner durch נ) Interessant ist (wie der Verfasser S. 33 N. 2 nachweist), wie noch im 10. Jahrhundert einer der größten Judenfeinde, Ratherius von Verona in einer giftspeienden antisemitischen Homilie sich eine ganz midraschisierende Exegese leistet»