Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 11 (1884)
- Issue
- 1 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 134)
- Language
- German
- Belongs to
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Recensionen. 131 So machen sich schon im 8. Jahrhundert, wo im Allgemeineu die Wissenschaft in Italien neuen Aufschwung nahm, auch die Juden sofort auf diesem Gebiete bemerkbar und nicht nur in der talmudischen Dialektik, zu der sie die Anleitung aus dem mehr als halbtausendjährigen Stammsitze jüdischer Gelehrsamkeit erhielten, sondern auch durch eine gewisse allgemeine Bildung und genaue Kenntniß der Landesspräche, namentlich im ärztlichen Stande. Hatte sogar schon Ende des 5. Jahrhunderts Papst Gelasius einen jüdischen Arzt, den er einen sehr berühmten Mann und ״seinen Freund" nennt. Das beredtste Zeugniß von der Theilnahme der Juden an dem ersten Anfkeimen der Wissenschaft bildet der für seine Zeit hochgelehrte Sabbatai Donnolo, der erste namentlich bekannte europäische Jude, der schriftstellerisch thätig ist. Aus späterer Zeit bieten hierfür! besonders Immanuel ben Salomos') Schriften (Ende des 13. Jahrhunderts) durch die daraus reflektirende Zeitrichtnng reiche Ausbeute. Er sagt, die Thoren (die von der Wissenschaft Nichts wissen wollen) vergessen, daß wir die Wahrheit von Jedem annehmen müssen, der sie sagt. Ueberdies: alle die Wissenschaften, welche die Thoren und Trägen ״fremde" nennen, sind vielmehr Israels ureigner Besitz. Sie waren ursprünglich in unserer Sprache gelehrt, sind uns aber leider auf unseren Wanderungen verloren gegangen. ... Es ist demnach wahrscheinlich, daß die Physik, die Metaphysik und andere Wissenschaften, als deren Hauptlehrer heute Plato und Aristoteles gelten, ursprünglich Salomo angehörten. Wir sehen ja, daß die Musik, eine ausgezeichnete Wissenschaft und Kunst ursprünglich in unserer Religion zu Hause war, und von Männern, wie Asiaf, David, Samuel u. A. betrieben wurde, während heute Keiner unter uns von ihr etwas weiß, sondern sie im ausschließlichen Besitze der Christen sich befindet. Die Logik aber beirrt nicht, sondern schärft den Verstand und ') Wir bemerken hier zugleich für alles Folgende, daß (Or. CH. 307. 16) nur die in der That das züchtige jüdische Gemüth sehr empfindlich berührenden erotischen Gedichte verpönt sind,