Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 11 (1884)
- Issue
- 1 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 133)
- Language
- German
- Belongs to
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130 Recensionen. überhaupt keinen Wucher trieben. Wurden doch Juden 1430 zur Verminderung des Wuchers nach Florenz berufen, gegen die Bedingung, daß sie sich mit 1]5 vom Hundert begnügten, die Christen natürlich 33 Prozent. Vgl. auch hierüber S. 70 f. und auch über die gewerbliche Thätigkeit der italienischen Juden und namentlich im Färberhandwerk, S. 67. — Einen zweiten im Auge behaltenen Punkt bildet die antisemitische Lüge der jüdischen Vaterlandslosigkeit, worüber Verfasser in der Einleitung sagt: ״Man sagt! häufig: ״Juden sind iiberall Juden" und will sie damit eines vaterlandslosen Kosmopolitismus beschuldigen. Es ist dies einer von jenen Gemeinplätzen, auf welchen Unwissenheit und Denkfaulheit sich bequem niederlassen und breit machen. . . . Man vergleiche doch die jüdischen Hofgelehrten Friedliches II., Robert I. und Carl's I. von Neapel mit ihren deutschen Glaubens- und Zeitgenossen! Bei jenen Vielseitigkeit der Bildung, höfisches Wesen, Toleranz, — bei diesen Einseitigkeit, Schwerfälligkeit, Unduldsamkeit. Jene waren eben Italiener, diese Deutsche". Dieser historische Lehrsatz von der bei aller religiöser Gemeinschaft — die ja sogar bei uns in dem bloßen Nebeneinander der einzelnen Gemeinden lange nicht so hervortritt, wie bei den Katholiken mit dem sichtbaren Oberhaupte ultra moutas — dennoch sowohl in materieller, wie in intellectueller und namentlich religions-philosophischer Beziehung genau nach Land und Leuten variirenden Individualität wird nicht nur im Ganzen und Großen, sondern auch im überraschendensten Detailparalellen nachgewiesen. Für Ersteres ist für die älteste hier behandelte Zeit (8. Jahrhundert) der Sklavenhandel anznftihren, dem die Juden vielfach oblagen, aber nicht die Juden allein, sondern ganz ebenso die Christen, wie es derzeit noch einen Sklavenmarkt in Rom gab. Für die spätere Zeit ist auf die schon erwähnte Färberei zu verweisen, die überhaupt in Italien blühte und in der die Juden ganz besonders hervortraten, während sie auch! in Sardinien vielfach Bergbau betrieben. Weit prägnanter schon tritt dies in intellektueller Hinsicht zu Tage.