Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 11 (1884)
- Issue
- 1 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 89)
- Language
- German
- Belongs to
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86 G. Goitein. passives Verhalten zu dem Tyrannen gerechtfertigt.' Er betrachtete nämlich den Herodes als Zuchtruthe in der Hand Gottes zur Siihne für die Verbrechen des Volkes und will es daher Gott überlassen, ihn zu strafen. War ja das friedliche Verhalten seiner Schüler den Römern gegenüber aus ähnlichen Motiven gestoßen). In einem kernigen Spruche endlich zeigt uns Hillel, wie das übermäßige Streben nach materiellen Gütern Verderben, nach idealen Gütern dagegen Gewinn bringt. Er sagte nämlich: ״Viel Fleisch, viel Gewürm. Viel Güter, viel Sorgen. Viel Frauen, viel Wahnglaube. Viel Mägde, viel Unzucht. Viel Knechte, viel Beraubung. Viel Lehre, viel (wahres) Leben. Viel Beschäftigung mit der Wißenschüft, viel Weisheit. Viel Berathung, viel Vernunft. Viel Wohlthun, viel (socialen) *) Frieden. Wer einen guten Ruf erworben, hat ihn für sich selbst erworben Wer sich den Inhalt der Gotteslehre angeeignet, hat sich das Leben in einer zukünftigen Welt erworben °°)". Diesen zuletzt angeführten Spruch können wir mit vollstem Rechte auf den Denkstein Hillels, des Patriarchen, setzen. Er hat nur ideale Güter für sich und sein Volk erstrebt, die Güter der Wissenschaft und der Weisheit, und es ist ihm, trotz der ungünstigen Zeitlage gelungen, diese Güter zu erreichen. Der gute klangvolle Name fehlte ihm nicht im Leben. Hochachtung und Verehrung wurden ihm von der Mitwelt reichlich zu Theil. Und wir können es bezeugen, daß er sich durch seinen Charakter und seine Weisheit auch das ewige Leben erworben hat, denn noch nach fast zwei Jahrtausenden lebt sein Andenken bei uns fort, erhebt uns seine Charaktergröße, belehrt uns seine Weisheit, und Jeder, der die Geschichte des jüdischen Volkes schreibt, wird ihm den ף So glaube ich diese Stelle auffassen zu müssen und wäre dieselbe so zu erklären, daß durch die Wohlthätigkeit der höher» Stände kein Proletariat, mithin auch kein socialer Kampf existiren würde. ') Abot c. 2, 7 י-