Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 11 (1884)
- Issue
- 1 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Lebe» und Wirken des Patriarchen Hillel. 85 so heißt es Samuel 11, 23,1: ״das Liebliche der Gesänge Israels", und Psalm 22,4 ״Er thront unter den Lobliedern Israels". — Und deshalb empfiehlt er auch dem Volke das Hinaufwallen zum Tempelheiligthum, weil es dadurch seine aufopferungsvolle Liebe zu seinem Gotte bekundet. — Er sagte ebenfalls bei dem Feste des Wafferschöpfens: ״Nach dem Orte hin, den mein Herz liebt, tragen mich meine Füße; kommst du in mein Haus, so komme ich zu dem deinigen, kommst du nicht in mein Haus, so bleibe ich auch dem deinen fern", denn so steht's geschrieben Exod. 21,24. ״An jedem Orte, wo ich meinen Namen preisen höre, komme ich zu dir, und segne dich')." — Ueber die Gotteswaltuug auf Erden, ist uns von Hillel nur ein Spruch erhalten. Hier spricht Hillel den Gedanken aus, daß das Walten Gottes allgerccht ist, daß er den Süilder nach dem Maaße seiner Sünde,: straft'); daß aber dennoch derjenige, welcher die Geißel Gottes auf Erden ist, ein todeswürdiges Verbrechen begeht, denn der Mensch ist frei, und darf nur als Richter, und auch da nur in den seltensten Fällen, Strafen über seine Nebenmenschen verhängen. — Es wird uns dies in verblümter Sprache also mitgetheilt: ״Hillel sah einst einen Schädel auf dem Wasser schwimmen, da sprach er: ״Weil du ertränkt hast, hat man dich ertränkt; jedoch die, welche dich ertränkt haben, werden schließlich auch ertränkt werden')". (In Parenthese sei mir folgende Erklärung gestattet. Dieser schwerverständliche Satz ist auch in aramäischer Sprache abgefaßt, wie die in Note 2. S. 81 erwähnten. Sätze. Es dürfte auch hiervon der Grund darin zu suchen sein, daß Hillel diesen Spruch ganz besonders gegen Herodes gerichtet hat, und der daher nur von den getreuen Schülern verstanden werden sollte. Es läge demnach hierin sein ganzes >) Tosifta Sukka c. 4 und Sukka 53 a. 2) Vergl. Synhedrin 90a, 100a und Sota 9d und Synhedrin o. 5. 1. — «) Abot 2, 6, Sukka 53a, Abot di R. Nathan 0; ,2.