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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1884-01-01 · 1 (1884) · p. Seite 82

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
11 (1884)
Issue
1 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 82 (sequence 85)
Language
German
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82 G. Goitein. Das Lernen und das Streben nach Wahrheit jedoch muß zur freien sittlichen That führen, muß den Menschen zur Veredlung seiner Sitten und zur Höhe der Vollendung geleiten, wenn es seinen eigentlichen Zweck erreichen soll. Daher fügt Hillel hinzu: ״Bin ich nicht für mich (für meine Seele thätig), wer wär's? Bin ich nur für mich, was wäre ich? Wenn nicht jetzt, wann sonst"? (Abot 1; 14 u. Abot di R. N. o. 12.) Alles Große und Wahre kann aber nur im Vereine mit Gleichgesinnten erstrebt und Bleibendes nur in der Gemeinde oder im Staate geschaffen werden. Darum sagt Hillel: ״Sondere dich nicht ab von der Gemeinbe"1). — Ihm ist die Lehre und die Tradition das Höchste; in ihnen findet er alle Wahrheit erhalten, und deshalb kann er nicht genug das Lernen und Lehren empfehlen. ״Wende die Lehre um nnd nm, denn Alles ist in ihr, und wie Stelle im Abot di R. N. bestätigt diese Annahme, denn dort heißt es c. 12: ״Wer seinen Namen zu erhöhen trachtet, das heißt, Niemand soll streben, bei der königlichen Negierung groß zu werden, denn zuletzt wird man ihn tödten und seine Habe confisciren." — Wer denkt hier nicht an Herodes' Regierung, der solches mit Recht zugeschrieben wird? — In den zwei letzteren Sätzen wendet sich Hillel nun speciell gegen die Essäer, welche ihre Zeit mehr dem beschaulichen Leben als dem Gesetzesstudium widmen, und sogar den Gottesnamen zu Wunderkuren gebrauchten. (Vergl. Jos. jüd. Krieg 11, 8, 6 und Grätz 111 S. 96—104). Er spricht daher die Worte: ״Wer nichts lernt, (sondern sich durch Askese sich veredlen will) ist des Todes schuldig — und wer sich der Krone (nach Abot di R. das. des Gottesnamens) bedient, schwindet hin". Die Parallelstelle im Abot di R. N. o. 12 bestätigt unsere Auffassung, denn dort heißt es auf den Satz: ״Wer nicht lernt ist des Todes schuldig". — ״Man erzählte von einem Manne in Bet-Rima, daß er ein ״Chassidäer" sei, da schickte er (wahrscheinlich Hillel) einen Schüler, den R. Jochanan ben Sakkai zu ihm hin, um ihn zu prüfen, — da stellte sich heraus, daß dieser Chassidäer eine allgemein gekannte Gesetzesbestimmung des Pentateuchs nicht wußte." — Man erkennt hier auf den ersten Blick den Essäer, der wohl in besonderer Reinheit und Heiligkeit leben will, aber die Gesetze der Reinheit nicht kennt. — l) Abot c. 2, 4, vergl. auch Taanit 11 a. Vielleicht ist auch dieser Spruch gegen das Einsiedlerleben der Essäer gerichtet. —-

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