Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 11 (1884)
- Issue
- 1 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Bemerkungen zur Kritik der Mischna. IS absichtlich ignorirt. Freilich drängt sich sofort die Frage auf: wie kommt es dann, daß R. Jsmael selbst, der Repräsentant dieser abrogirten Halacha, sehr häufig in der Mischna auftritt und seine Lehren ausspricht? Natürlich ist dies Geiger nicht entgangen; allein seine Antwort aus diese Frage ist höchst sonderbar. R. Jsmael selbst, meint er, zu ignoriren, dies ging nicht; diesen Weisen mußte man respectiren; doch vor den Schülern hatte man weniger Achtung. Run aber ist doch die ganze Angelegenheit keine Personenfrage. Es handelt sich vielmehr um die Lehren des R. Jsmael, deren doch sehr viele in der Mischna Vorkommen (vgl. Seder Hadorot v. ר ישמעאל). Wie könnte man diese Lehren in die Mischna aufnehmen, falls dieselben einen principiellen Gegensatz zu der daselbst officiell vertretenen Halacha bildeten. Dazu kommt noch, daß auch R. Elieser b. Hprkanos, der nach Geiger ebenfalls ein Vertreter der alten Halacha sein soll, fast am meisten unter allen Tannaim in der Mischna genannt wird und Rabbi, der Mischna-Redactor selbst, den Ausspruch that, er würde stets in seiner Mischna die Ansicht des R. Elieser lehren, falls ihm dessen Worte authentisch verbürgt wären (vgl. Jeruschalmi Moed katan III, 81 d. Es läßt sich jedoch der Umstand, daß wohl R. Jsmael selbst, nicht aber dessen Schüler in der Mischna genannt sind, aus der Geschichte der Redaction der Mischna am einfachsten erklären. Das Verhältniß des R. Jsmael und seiner Schule zur jüngern Mischna-Redaction ist in vielfacher Beziehung analog dem Verhältnisse der Schammaitischen Schule zur ältern Mischna. Auch in Betreff der Schulen Hillels und Schammais könnte man eine Anomalie darin finden, daß die letztere nur summarisch unter der Bezeichnung Bet-Schammai in der Mischna vorkommt, einzelne Schüler Schammais dagegen nur äußerst selten genannt werden, während die Schule Hillels, als deren Repräsentanten R. Gamliel I. und II. R. Jochanan b. Sakkai und desien Schüler R. Elieser *) und *) Wir zählen R. Elieser zu den Repräsentanten der Schule Hillels, da er nach Abot II und anderen authentischen Berichten ein Schüler des