Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 11 (1884)
- Issue
- 1 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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16 G. Goitein. Stellen fortgeführte Erzählung, die also lautet: Ein Heide kam einst zu Schammai und fragte ihn: ״mie vielerlei Lehren habt Ihr?" Schammai erwiederte: ״Zweierlei, eine schriftliche und eine mündliche Lehre". Hierauf sagte der Heide: ״An die schriftliche Lehre will ich glauben, jedoch nicht an die mündliche Tradition'), nimm mich unter dieser Bedingung als Proselyten auf. Da schrie ihn Schammai an und entfernte ihn durch Drohungen. Als aber derselbe vor Hillel mit der gleichen Forderung trat, nahm ihn dieser als Proselyten auf und wußte es so anzustellen, daß er von seiner Forderung Abstand nahm. Er lehrte ihn nämlich am ersten Tage die Buchstaben der hebräischen Sprache, Ales, Beth, Gimel, Daleth und entließ ihn; des andern Tages kehrte er ihm die Benennung der Buchstaben um. Als darauf der Heide verwundert zu ihm sprach: ״Gestern hast Du mich ja nicht so gelehrt", da antwortete Hillel: ״Du hast Dich also darin auf mich verlassen, daß ich Dir die richtige Erklärung der Schrift gegeben, verlaß' Dich auch in der Tradition auf mich, (wir haben ja die schriftliche Lehre auch von den Vätern empfangen, Alles beruht also auf Tradition. Aboth d. R. Nathan")'). (Fortsetzung folgt). *) Es ist dies eine Ansicht, die während der Zeit des zweiten Tempels von den ״Sadducäern" vertreten wurde, u. sie ist später das Glaubensbekenntniß der Karäer geworden, einer Secte, welche in der zweiten Hälfte des 8. Jahrh. von Anan gegründet worden ist, u. in manchen Ueberresten noch heutigen Tages besteht. — 2) Diese Erzählung fehlt in der Parallelstelle Abot di N. Nathan 6.15.