Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 11 (1884)
- Issue
- 1 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Leben und Wirken des Patriarchen Hillel. IS die Augen der Tarmudäer *) (Palmyrener) halb geschlossen?" Hillel: ״Du hast etwas Wichtiges geftagt; weil dieselben in einer sandigen Gegend wohnen")". Noch einmal versuchte der Fremde sein Glück. Er ging und kam nach kurzer Zeit wieder, mit denselben Worten nach Hillel rufend. Und als Hillel wie früher geantwortet, fragte er: ״Warum sind die Füße der Afrikaner so breit?" H. antwortet abermals: ״Du hast etwas Großes geftagt; weil sie an Wassersümpfen wohnen')". Hierauf der Fragesteller: ״Ich hätte noch sehr viele Fragen an Dich zu richten, ich fürchte aber, Du könntest zornig werden". Da setzte sich H. ruhig vor ihm nieder und sprach: ״Soviel Du ftagen willst, ftage." Der Fremde, dem die Geduld zu reißen begann, sprach: ״Bist Du Hillel, den man den Fürsten Israels nennt?" Hillel: ״Ich bin es". D. Fr.: ״Wenn Du es bist, so mögen nicht viele wie Du in Israel leben". Hillel: ״Warum mein Sohn?" ״Weil", sagt d. Fr.: ״ich durch Dich 400 Sus verloren habe". Da sagte H.: ״Sei künftig vorsichtig in Deinem Handeln, Hillel ist es werth, daß Du seinetwegen zweimal 400 Sus verlierest, aber zornig wird Hillel nie". So weit der Talmud. Man weiß nicht, ob man mehr über die Taubensanftmuth oder über das Selbstbewußtsein Hillels, das sich am Ende dieser Erzählung zeigt, erstaunen soll. Es ist dieser Bericht die schönste Illustration zu seinem Spruche: (Aboth 1,2) ״Liebe die Menschen und nähere sie der Lehre". Daß Hillel aber diese aus edler Menschenliebe entspringende Demuth nicht nur seinen Stammesgenossen, sondern auch Heiden gegenüber bethätigte, denen man ja auch nach seinem Spruche Menschenliebe bewahren soll^), beweist die an beiden genannten *) Tarmod dasselbe wie Tadmor, eine nach 1. König. 9,18 u. 2. Chron. 8,4 von Salomo in der Wüste erbaute Stadt zwischen Damaskus und dem Euphrat; s. Gesenius s. v. 2) Abot di R. N. wird dies deutlicher gemacht mit den Worten: ,.Da kommen Winde u. blasen ihnen den Sand in die Augen*. s) Jbid. heißt es dazu ferner: «und viele darin barfuß gehen*. 4) Vergl. den Ausdruck ברירת das.