Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 11 (1884)
- Issue
- 1 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Leben und Wirken des Patriarchen Hillel. 13 Letztere nur sehr kurze Zeit im Amte, so daß uns nicht ein einziger Ausspruch von ihm erhalten ist. Er schied aus, — nach Einigen wegeil seines unmoralischen Lebenswandels, nach Andern, wofür eine Boraitha spricht, um in den Hofdienst des Herodes zu treten1); und mit ihm schieden auch viele Talmudjünger ״in Purpurgewändern gekleidet" aus dem Lehrhause. Ihm folgte im Amte Schammai, der im Vereine mit Hillel in dieser schwierigen Zeit die hohe Aufgabe des Synedrial- Präsidiums glücklich löste. Hillel selbst bewahrte in seiner hohen Stellung seine merkwürdige Bescheidenheit, seine Sanftmuth und Freundlichkeit gegen Jedermann. Sein Gottververtrauen wurde von spätern Geschlechtern bewundert, seine Wohlthätigkeit, die er jetzt als Nasi üben konnte, — da derselbe aus Gemeindemitteln erhalten wurdet, — von Allen angestaunt. Der Talmud erzählt an vieleil Stellen Handlungen von Hillel, die, wenn sie auch vielfach ausgeschmückt sind, uns dennoch den wirklichen Charakter Hillels zeigen. Denn es sind nicht Sagen, die ihren Helden in göttlicher Glorie erscheinen lasten, nicht Wunderdinge werden uns von Hillel erzählt, sondern rein menschliche Thaten, die uns beweism, wie bei diesem Edlen Lehre und Leben sich deckten, und wie seine That nicht hinter seinem Worte zurückblieb. Von seiner Milde und Bescheidenheit weiß eine schöne Chagiga 16b. — In der Parallelstelle Jerus. Chagig. o. 2, 2 wird die zweite Ansicht durch den Zusatz: «Denn ihr Gesicht wurde schwarz, weil man zu ihnen sagte: Schreibet auf die Hörner der Stiere, daß ihr kein Theil habet an dem Gotte Israels״, schwer verständlich. Vielleicht wurden die Gesetzeslehrer durch die Drohung des Herodes zum Eintritt in den Staatsdienst bewogen. Mit der Ansicht der Boraita scheint Jos. übereinzustimmen, denn er hat Alt. XV. 10, 5, die Nachricht, daß Menachem in hoher Gunst bei Herodes stand. Vergl. Juchasin 8. v. Abraham ibn Daud hat ungenau die Worte: ,,Er starb in den Tagen Hillels«. — Grätz übersetzt ohne ersichtlichen Grund לתומת רעה mit: «Er hat sich in die Einsamkeit zurückgezogen!» — Vielleicht wollen auch beide Berichte dasselbe in verschiedener Form sagen, da der Hofdienst des Herodes zur תרמת רעה führte. 2) Bereschit Rabba c. 100.