Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 11 (1884)
- Issue
- 1 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Leben und Wirken des Patriarchen Hillel. 11° weil eine solche Niemand ans eigener Forschnng anwenden dürfe, beschwor er, daß er dieselbe von Schemajah nnd Abtaljon gehört habe. Da legten die Bne-Bethera ihre Stellen nieder nnd wählten ihn znm Präsidenten. Grätz in seiner ״Geschichte der Inden" (Bd. III, 212) hat die Worte: ״man weiß nicht ob freiwillig oder vom Volke gezwungen". Dies ist ungenau, da der Talmud Jernschalmi (ibid.) seine Bewunderung über die merkwürdige Selbstlosigkeit der Bne- Bethera ansdrückt. Und der Midrasch (Genesis Rabbah C. 33) und Jernschalmi Kilajim C. 9, 3 an einer bestimmt geschichtlichen Stelle R. Jehnda Ha-Nasi die Worte sagen läßt: ״Alles was mir ein Mensch sagen würde, könnte ich thun, nur nicht was die Bne-Bethera meinem Ahn gethan, die ihm ihre hohe Würde übertrugen* *). — Steht doch dieser Fall nicht vereinzelt in der jüdischen Geschichte da. Im 10. Jahrhundert finden wir, daß ein Richter-Rabbiner zu Cordova, Namens Nathan, der in Spanien hohes Ansehen genoß, einem fremden Bettler, Namens Mose ben Chanoch seine Stelle übergeben hat, indem er der Gemeinde erklärte: ״Ich mag nicht länger euer Richter und Rabbiner sein, jener Fremde in ärmlicher hingegen steht nichts davon, daß sie seine Beweise widerlegten; es wird im Babli erst später die Frage aufgeworfen, wozu denn Hillel die Schluß« folgerung angeführt habe, da doch eine überlieferte Analogie unantastbar sei?, und darauf geantwortet, daß Hillel nur den Präsidenten zeigen wollte, wie sie, selbst ohne Tradition, dies« Frage hätten lösen können. So dürfte der Babli einen Beleg für unsere Auffassung des Jerus. bieten, daß Hillel nämlich die Analogie auf Schemaja und Abtaljon zurückführte. Damit ist auch am besten die Frage erledigt, die Grätz gestellt, warum denn in der Mischna Pesachim z. St. dennoch die Analogie des Hillel angeführt wird, obwohl er sich doch blos auf Tradition berief. — Vergl. Frankel, Programm d. jüd. theol. Seminars 1854 S. 15, Grätz, Geschichte III S. 212, die diese Stelle anders auffassen. — *) Vergl. Baba mezia 84 ä die Worte des R. Jehuda ha Rast: ״Drei Bescheidene giebt es rc." — Freilich verliert die geschichtliche Studie von Grätz in Frankel's Monatsschrift, Jahrg. 1 p. 115 ff. dadurch sehr viel von ihrer Beweiskraft. Vergl. Frankel's Anmerkung das. 116 u. den Aufsatz des Dr. Fürst in demselben Jahrg. —