Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 11 (1884)
- Issue
- 1 (1884)
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Leben und Wirken des Patriarchen Hillel. 3 daß er für Griechen und Römer schrieb, die dafür wohl weniger Interesse haben mochten; und so beschränkte er sich auf die Ueberlieferuug nur einer nicht allzu bedeutenden Nachricht. Hillel der Ältere *), — so genannt zur Unterscheidung von den später lebenden Tannaim, die denselben Namen führten, — war in Babylonien, der bedeutendsten Exilsstätte der Juden, geboren und deshalb auch an vielen Stellen des, Talmuds Hillel der Babylonier genannt. — Dort an Babels Strömen hatten die begeisterten Sänger und Propheten, die ״Nebukadnezar unter Jechonjah gefangen weggeführt", von Schmerz und Gram überwältigt, ihre Harfen an die Bachweiden gehängt, dort waren die herrlichen Gesänge verklungen, die innigen Zionslieder von Thränen erstickt worden. Aber die heilige Gotteslehre wurde als einzig gerettetes Gut desto inniger umklammert, dem Gesetzesstudium unter Seufzern eine neue Stätte gegründet. So erzählt der Talmud Jerus. (Nedarim E. 6), ״daß die Aeltesten der Golah dem Allvater lieb und theuer sind", und der Talmud Babli (Gittin 88 a) spricht den Satz aus: ״Eine Wohlthat hat Gott dem jüdischen Volke erwiesen, daß er die Exulanten unter Zidkijahu von den adeligen Familien, die unter Jechonjah weggeführt wurden, lernen ließ". R. Scherira Gaon weiß auch in st Daß die Bezeichnung הזקן dem lateinischen Wort ssnior entspricht, und nicht, wie Herr vr. Kämpf im 2. Jahrgang der Monats« schrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judenthums will, die Senatorwürde bezeichnet, oder, wie vr. Lewy im 4. Jahrgang der Monatsschrift meint, die Nasiwürde ausdrücken soll, beweist erstens der Umstand, daß dieses Epitheton auch einem R. Jlai in Lhagiga 16 a beigelegt wird, der weder ein Nasi, noch auch ein Synedrist war, ja sogar bei einem Amoräer steht, wi» dies vr. Lewy selbst ebendort bemerkt, — und zweitens, daß die Bezeichnung ha-saken an den meisten Stellen nicht steht, wo man den Hillel nicht mit einem andern verwechseln kann, so in Sabb. 30b> Pesach. 66b, Arachin 31a u. a. O. — Es gab nämlich noch mehrere Gesetzeslehrer, die den Namen Hillel führten, Pesachim 51 a und Seder-Ha-Dorot 8. v. Vergl. auch Frankel's Hodegetik zur Mischna 8, t. 1*