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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1884-01-01 · 1 (1884) · p. Seite 2

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
11 (1884)
Issue
1 (1884)
Date
1884-01-01
Page
Seite 2 (sequence 5)
Language
German
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2 G. Goitein. gerade dieser wichtige Abschnitt der jüdischen Geschichte so ungenügend erhellt ist, liegt nicht in dem Mangel an Nachrichten über diese Zeit, sondern in dem chaotischen Zustande der Berichte, die in den verschiedensten Theilen und Winkeln der beiden Talmude, der Midraschim, der Tosifta, des Sifta und Sifre zerstreut liegen. Wenn auch in dem Walde der in einander verschlungenen Nachrichten von den Geschichtsforschern der neuesten Zeit ein Pfad geebnet wurde, so sind dennoch viele Seitenwege unbeachtet, viele Stellen unerhellt geblieben. Das Dunkel wird erst dann schwinden, wenn specielle Forschungen über die hervorragenden Männer dieser Zeit angestellt und ihr Lebensbild aus den zerstreuten Strichen und Punkten vollständig gezeichnet sein wird. Das Resultat einer solch' speciellen Forschung über das Leben und Wirken des Hillel Ha-Nasi will ich auf den folgenden Blättern zu geben versuchen. Hillel war nicht nur für seine Zeit von hoher Bedeutung, indem er in der politisch so aufgeregten Zeit der herodianischen Regierung als Präsident des Synedrion arge Konflikte desselben mit der Staatsgewalt verhinderte und dadurch der Lehre und der Forschung einen unantastbaren Boden sicherte, sondern er hat auch durch die Gründung seiner berühmten Schule, des ״Beth-Hillel", auf spätere Jahrhunderte einen mächtigen Einfluß geübt. Der Talmud stellt ihn neben Esra als Gründer und Förderer der Thora-Wissenschaft und weiß nicht genug von seinem Charakter, seiner Bescheidenheit und seinem Wissensdrange zu erzählen. Er verdient es daher wohl, in der Totalität seines Wesens und Wirkens geschildert zu werden. Wenn auch das Leben Hillels ein Jahrhundert vor der Tempelzerstörung liegt, so muß man dennoch über sein Leben und Wirken ausschließlich den Talmud befragen; denn Josephus weiß wohl von dem politischen Leben der jüdischen Nation, von den Kämpfen und Strebungen ihrer politischen Personen zu erzählen, aber er schweigt fast vollständig von dem cultuellen Leben und berührt die Geistesheroen dieser Zeit kaum mit einem Worte. Es lag dies wahrscheinlich daran,

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