Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 10 (1883)
- Issue
- 1 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 134)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2572068-2572083-2572084--1924-2574070- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Achtzehn Bestimmungen. 131 alte, bestehende Feste aufzuzeichnen, sondern aucheine Menge neuer Gedenktage einznführen? Sollte es möglich sein, daß, während das Volk in Trauer gehüllt war, die Häupter daran gedacht hätten, durch Feste und Feierlichkeiten die Gemüther zu erheitern? (Vgl. Taamt III,8, Bereschit R. Sect. 44, b. Rosch Haschana 16a rc.). Zu dieser Annahme aber hat Schmilz eine unrichtige' Interpretation verleitet, die er dem Ausdruck: מחבב את הצרות der Baraita Sabbat 13 b geben zu müssen glaubte (S. 35, Anm. 3,6). מחבב את הצרות bedeutet allerdings ״die Leiden in Liebe aufnehmen," aber nicht die Leiden innerhalb de^ Leidenszeit feiern. Denn in M. T. wurden nicht die Leiden, sondern die Rettungen gefeiert. Aber erst durch die Feierlichkeit, mit der man die Errettung aus Drangsalen begeht, offenbart sich, daß man die Leiden als verdiente Züchtigung ausgenommen und daher die Befreiung als besonderen Gnadenact Gottes betrachtet. In diesem Ausdruck wird also die Ursache statt der Wirkung angegeben. R. Simon b. Gamaliel will also auch nicht die Leiden innerhalb der Leidenszelt feiern, sondern meint vielmehr, das tägliche Elend, die kleinen und großen Unfälle häufen sich so sehr, daß, wenn wir nicht das Elend, sondern die vielfachen Befreiungen feiern sollten, wir nicht .zu Ende kämen. (Vgl. d. Scholion, Halachot Gedolot I41d: (im Schol. צרות רבות הכאות עלינו (ככל שנה ושנה וגאולות ותשועות ..., Raschi s. v.םחבבין). Aber abgesehen von diesen llnrichtigen Veraussetzungen, auf welchen seine Zeitbestimmung basirt wird, geräth Schmilz in die unangenehme Lage, andere Motive der Betheiligung der Schammaiten, andere der der Hil leliten unterzuschieben. Jene hätte zu der Niederschrift der M. T. eine politisch-revolutionäre, diese eine friedliche Absicht bestimmt; jene wollten den Freiheitsftmken entzünden, diese ״dem vom Unglück heimgesuchten Volk Gottvertrauen einflößen und zur geduldigen Ergebung in deN göttlichen Willen erheben" (S. 34). Man muß erstaunen, daß die Abfasiung der M. T. überhaupt zu Stande gekommen! Schammaiten und Hilleliten haben gewiß