Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 10 (1883)
- Issue
- 1 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 6)
- Language
- German
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Das stellvertretende Sühne-Leiden. 8 all nicht die Rede sein, schon darum nicht, weil gerade in diesem Kapitel verkündet wird, das Leiden des Gottesknechtes werde als ein nicht zur Sühne für begangenes Unrecht erduldet es anerkannt werden. Im vierten Verse bekennen die Könige und Völker: wir glaubten, er wäre von Gott geplagt, geschlagen und gedehmütigt; aber u. s. w... — Danach hat ihr Jrrthum nicht darin bestanden, daß sie meinten, der Gottesknecht litte um eigener Sünden willen Strafe, sondern in dem Glauben, daß er überhaupt von Gott heimgesucht würde. Nicht Gott hat ihn geplagt, das ist der richtige Sinn der Verse, sondern der Menschen Bosheit allein hat sein Leiden verursacht.*) Solches ist in sämmtlichen zwölf Stellen unseres Kapitels, welche irrthümlich als Beweise für das Sühneleiden angeführt werden, deutlich ausgesprochen, wenn wir sie im Lichte dieser richtigen Auffassung betrachten: I) u. 2) V. 4,a: ״Unsere Krankheit hat er getragen, unsere Schmerzen erduldet" deutet, wie es ja sprachlich zulässig, auf von ״uns" ihm verursachte Krankheit, von ״uns" ihm bereitete Schmerzen. Allerdings kann wegen der ״Genesung", welche die Redenden laut des folgenden Verses (vgl>. weiter dessen Exegese) ״in der Gesellschaft des Gottesknechtes finden sollten", nicht davon abgesehen werden, daß auch Jene krank waren, nämlich moralisch ungesund. Aber diese sittliche Verderbtheit hat zugleich sein (des Knechtes) äußeres Siechthum verursacht. Diesen anmuthigen Doppelsinn hat der Ausdruck ״unsere Krankheit", während ״unsere Schmerzen" auf ״uns", die ihn von Gottes Hand gezüchtigt glaubten, nur als die Urheber der Schmerzen hinweist. — 3) u. 4) V. Sa: ״Er war durchbohrt durch unsere Sünden, niedergedrückt durch unsere Verschuldungen". Hier wird auch nur von Sünden geredet, welche bei des Gottesknechtes Heimsuchungen *) Von der sonst ja der prophetischen Weltanschauung entsprechenden Lehre, daß Israel auch in den von Menschen verursachten Leiden für seine Versündigung Strafe erhalte, ist hier absichtlich abgesehn, weil die Völker künftig an dem ״erhöhten״ Gottesknechte so viele Vorzüge und Tugenden entdecken werden, daß sie nicht an seine, nur an ihre eigenen während der frü- Heren Zeiten begangenen Sünden denken werden. — 1*