Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 10 (1883)
- Issue
- 1 (1883)
- Date
- 1883-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 5)
- Language
- German
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2 W. Feilchenfeld So urtheilt ein unbefangener und hervorragend gründlicher Exeget, R. David Kimchi, über den Gedanken der ״stellvertretenden Sühne", welchen man in unserem Propheten-Abschnitte (Kap. 53) verkörpert zu sehen gewohnt ist. — Wünsche (die Leiden des Messias, Leipzig 1870) zählt in unserem Abschnitte zwölf Stellen, in welchen dieser Gedanke Ausdruck finde, Nägelsbach (Kommentar) hebt die ״eminente Bedeutung" hervor, welche der Prophet demselben beilege, wie ״er nicht aufhören könne, diese wunderbare Erweisung selbstverleugnender Liebe des Gottesknechtes den Menschen zu rühmen". — Ob die Exegeten in dem Gottesknechte einen einzelnen Mann (den Messias), ob sie das ganze Volk Israel, oder den ״besseren Theil" desselben, oder den Prophetenstand erkennen: von der stellvertretenden Sühne können sie insgesammt nicht loskommen. Diejenigen, welche den Gedanken als einen dem Judenthume und dessen heiligen Schriften fremden und widersprechenden erkennen, — auch der geistreiche Luzatto kommt nicht über Kimchis Rechtfertigung hinaus, durch welche den ״fremden Völkern" zugemuthet wird, künftig einmal Israels Leiden also zu deuten. Heben wir es noch einmal hervor, daß im ganzen A. T. außerhalb unseres Abschnittes die Lehre von der einem Menschen oder einem Volke zur Sühne für Andere auferlegten Buße nicht nachweisbar sei» dürste. Denn in der von Kimchi aus den Zehngeboten citirten Stelle ist nur von einem Fluche der Abstammung und Erziehung die Rede, welchen die Kinder zu tragen haben oder vielmehr zu sühnen berufen sind. — Jes. Kap. 43,3 will zwar der Herr Mizrajim und andere Völker als ->S2 für Israel hingeben. Aber dies Wort bedeutet doch nur ein Lösegeld, eine der welterobernden Macht (Cyrus) für Israels Befreiung zugewandte Entschädigung. — Wenn endlich am Anfänge des Cap. 57 unser Prophet daran mahnt, daß ״wegen eines Nebels der Gerechte weggeholt werde", so denkt er entweder an drohendes äußeres Unheil, welchem der Gerechte durch frühzeitiges Sterben entzogen, oder von des Volkes Bosheit, welche durch den Verlust des Gerechten bestraft werden soll. Aber auch in unserem Abschnitte kann bei sorgsamer Interpretation von einer stellvertretenden Sühne über-