Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 9 (1882)
- Issue
- 1 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 150)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Siloah-Jnschrift in Jerusalem. 147 Erde (nach unten) abfließendes Wasser enthalte. — Vielleicht aber gehört das letzte Nun, wie es den Anschein hat, zu dem frühern Worte, so wäre das Wort מיק zu lesen, und wir erführen von dem rufenden Steinhauer, daß der Meißel ״auf der rechten Seite" in das Gestein abgewichen sei. Denn die Verbindüngen mit der Präpos. so enthalten oft eine Ortsbezeichnung auf die Frage wo? z. B. Genes. 12, 8 und 21, 16; Jes. 6, 2 u. a. m. Die fehlenden Worte enthielten dann die Angabe, wohin der abweichende Meißel gedrungen sei, während Hervordringenden Wassers noch keine Erwähnung geschähe. Um ein Verständniß dieser einzelnen wichtigen Stelle zu erlangen, müssen wir den Gesammtinhalt der Inschrift und den durch dieselbe mitgetheilten Vorgang in Erwägung ziehn. Es soll hier nach der bisherigen Auslegung ein Tunnel angelegt und nachher über die näheren Umstände dieser Anlage Mittheilung hinterlassen wordeil sein. Aber welches Interesse hat es, zu erfahren, daß in einer Entfernung von drei Ellen bercits die einander entgegeilarbeitenden Steinhauer Einer des Anderen Stimme vernehmen konnte? Die ehemalige Beschaffenheit des durchbohrten Gesteins mußte der Nachwelt gleichgültig sein. War es auch möglich, durch eine noch 3 Ellen dicke, wie auch immer beschaffene Steinwand hindurch die Stimme eines Rufenden zu vernehmen? Endlich hätte es statt קל איש קרא vielmehr ק׳א נשמע heißen müssen, da nicht das Rufen, sondern nur das Gehörtwerden der Stimme hervorzuheben war. Ebenso unwahrscheinlich ist es, daß die Arbeiter bei der Durchbohrung des Gesteins genau auf einander getroffen seien, abgesehen davon, daß dieser einzige interessante Umstand nur ganz nebensächlich erwähnt wäre. Wir sind auch nach der Pomphaften Ankündigung ״Solche Bewandtniß hatte es mit der Durchbohrung" wohl berechtigt, entweder über den Anlaß zu der Anläge des sogenannten Tunnels oder über die Ausführung des Werkes genauere Angaben zu erwarten, als wir in dieser Inschrift finden. Vielleicht aber ist der Tunnel gar nicht angelegt, hergestellt worden, sondern absichtslos, zwar unter arbeiten- 10*