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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1882-01-01 · 1 (1882) · p. Seite 106

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
9 (1882)
Issue
1 (1882)
Date
1882-01-01
Page
Seite 106 (sequence 109)
Language
German
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106 Recensionen. solut nicht vereinigen läßt, wird der Tosifta Gewalt angethan, es wird aus ihr heraus- oder hineingelesen, was sie gar nicht beabsichtigte, woran sie nicht gedacht und nicht gedacht haben konnte. Würde jedoch der Verfasser nur seine These behandelt oder historisch entwickelt haben, so ließe sich dagegen nichts weiter einwenden. Vers, hätte dann das Verdienst, mit seinem Buche einen Beitrag zur Förderung der jüdischen Literatur geliefert zu haben. Aber Vers, begiebt sich dabei auf das schlüpfrige Gebiet der Talmudkritik, er streicht, elminirt, korrigirt, versetzt Manches zu unterst und oberst und mit einer Kühnheit, gegen die ein Jeder, der sich das Pietätsgefühl vor den talmudischen Autoren bewahrt hat, protestiren muß. Ich bin etwas hart in meinem Urtheil, und das gegen einen Freund, aber ich sage: ״amicus Socrates, amicus Plato, magis amica veritas.“ Der freien Forschung sollen allerdings keine Schranken gesetzt werden, selbst die strenggläubigsten Rabbinen haben ja zuweilen auch eine Emendation im Talmud vorgenommen, aber wir verlangen alsdann zunächst vollständiges Vertrautsein mit dem halachischen Stoffe, Belesenheit in allen Theilen des weitschichtigen und weitverzweigten Talmuds und seiner Erklärer und namentlich Beherrschung der gesummten Halacha. Diese Legitimation muß Derjenige vorzeigen, der in Mischnah, Gemara, Tosifta u. s. w. auch nur das Geringste streichen will. Wir wollen das Talent und die Begabung des Verfassers für die Behandlung halachischer Stoffe durchaus nicht antasten, er hat ja schon durch die Herausgabe eines verdienstlichen Werkes sich hervorgethan und sich bereits in die jüdische Literatur eingeführt, aber bei der vorliegenden Arbeit, will es uns bedünken, hat er seine Kräfte überschätzt. Um im Talmud Emendationen vorzunehmen, bedarf es mehr als eines 2 — 3jährigen Studiums, hier muß das ganze Leben daran gesetzt werden, da muß man von Einem sagen können תורתו אומנתו, wenn man hier die Berechtigung zugestehen soll, etwas zu verbessern. Denn das mögen sich unsere jüngeren Autoren gesagt sein lassen, das kleine Gebiet, das wir Juden beherrsche», die talmu-

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