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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1882-01-01 · 1 (1882) · p. Seite 94

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
9 (1882)
Issue
1 (1882)
Date
1882-01-01
Page
Seite 94 (sequence 97)
Language
German
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94 Eduard Baneth nicht kennen, der Talmud aber zwischen Sadokäern und Bosthosäern keinen Unterschied kennt. Im Kampfe gegen die Rabbinen waren eben beide einig, fochten sie Seite an Seite. Daß es dazu kommen könnte, daß ihre Schulen überhaupt zu kampfeslustigen Sekten werden sollten, welche die religiöse Frage auf ihre Fahne schreiben wurden, hatten die Stifter gewiß nicht vorausgesehen, vielweniger hatten sie einen blutigen Religionsstreit beabsichtigt. Sadok und Boöthos ahnten nicht, daß ihre Namen zwei Generationen später zum Feldgeschrei werden könnten in einem unheiligen und unheilvollen Kampfe gegen die überlieferte Lehre, an deren Befestigung uud Ausbau sie selbst mitarbeiteten. Wohl aber sahen schärferblickend die Pharisäer die unausbleiblichen Folgen voraus. Vergebens warnten sie vor der Poupalarisirung kosmogonischer und theosophischer Probleme, vergebens erhob auch Ben Sira seine mahnende Stimme. Die Kurzsichtigen, Verblendeten fuhren fort öffentliche Vorträge zu halten über die epikureische Lehre und ihr Verhältniß zum Judenthum. Das oberste Prinzip der epikureischen Ethik, die Lehre von der Lust, bot ihnen Gelegenheit, auf den Ausspruch ihres hochverehrten Lehrers hinzuweisen, daß man die Tugend nicht um eines von Gott erhofften Lohnes willen üben solle, sondern — und das war eben ihre eigene Auffassung — als einzig möglichen Weg zur Erlangung des höchsten Gutes, der Glückseligkeit. Unreife Schüler faßten später den Satz so auf, als gäbe es über- Haupt keine göttliche Vergeltung, keine ausgleichende Gerechtigkeit, und von da bis zur Leugnung ei..er Vorsehung war nur noch ein Schritt. Die Unreifen bildeten aberden größer» Theil der Schüler, zumal nach Beendigung der Makkabäerkämpfe die Reichen und Vornehmen, der neue Tempel-und Hofadel, der allgemeinen Mode huldigend, zu den Vorträgen herbeiströmten, umsomehr als die epikureische Philosophie ihrem auf den Genuß gerichteten Sinn besonders schmeichelte. Ihnen war es nur darum zu thun, sich einen äußern Firniß griechischer Bildung anzueigenen; zu ernsterin, tiefer eindringendem Studium waren sie viel 511 bequem. So wurde ein Dilettantismus gepflegt und groß gezogen, welcher auf eine Fortbildung und gedeihliche Entwicklung des Systems lähmend wirken mußte. Epikur selbst empfahl, gemäß seiner Auf-

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