Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 9 (1882)
- Issue
- 1 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber den Ursprung der Sadokäer und Bosthosäer. 93 Aus diesen Prämissen ergiebt sich die Antwort auf die Frage nach dem Ursprung der Sadokäer und Bosthosäer fast von selbst. Sadok und Bosthos waren Schüler des Antigonos aus Soko. Sie sind nicht die unmittelbaren Urheber der nach ihnen benannten Sekten, nicht Häresiarchen, aber sie sind die Stifter zweier philosophischer Schulen, aus denen jene Sekten sich entwickelten. Beide sind Vertreter der epikureischen Lehre in Palästina, welche sie, so gut es eben ging, mit den Lehren des Judenthums in Einklang zu bringen suchen;?) sie unterscheiden sich von einander nur durch die Gesichtspunkte, von welchen sie bei diesem Streben ausgehen, durch die Methode, nach welcher sie hierbei verfahren. Die Anhänger der einen Schule nennen sich Sadokäer, die der andern Bosthosäer. In religiösen Fragen besteht zwischen ihnen durchaus kein Unterschied; beide stehen anfangs auf gleichem Boden mit der! Schriftgelehrten oder Rabbiner!, auf dem gemeinsamen Boden der überlieferten Lehre, welche in ihren Lehrhäusern ohne Zweifel mindestens mit demselben Eifer gepflegt wird, wie das Studium der Philosophie, und beide treten später in denselben Gegensatz zu ihnen. Der Unterschied zwischen ihnen ist ein rein interner, philosophischer und hat auf ihr Verhältniß zu den Pharisäern keinerlei Bezug, verwischt sich auch immer mehr und mehr, sowie sie die Verbindlichkeit der Ueberlieferung in Zweifel zu ziehen anfangen, und die in Folge dessen zwischen ihnen und den Pharisäern entbrannten, auf beiden Seiten mit größter Erbitterung geführten Kämpfe das Interesse an phihosophischen Schulstreitigleiten mehr und mehr in den Hintergrund drängen. Daher erklärt es sich, daß außertalmudische Quellen die Bosthosäer gar 1) Auf welchem Wege sie es versuchten, wissen wir nicht mehr. Vermuthlich nahmen auch sie zu allegorischer Deutung ihre Zuflucht, Wie ihr alexandrinischer Zeitgenosse Aristobul und später Philo. Ein Beispiel dieser Art von Auslegung hat Mgilla IV. S. erhalten, dieselbe MiSna, welche uns auch den sadokäischen Gruß בדמך ט,בים* überliefert hat. ״Wer die Ehegesetze," heißt es dort, »bildlich auslegt, wird schweigen geheißen; wer ito תתן להעביר t6 וטזרעך (Levit. 18. 21.) übersetzt: Von deinem Samen sollst du nicht geben ein Kind zu erzeugen (להעביר von עובר) dem Molek, wird mit einer Rüge zum Schweigen gebracht.״ 188S. S. 6