Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 9 (1882)
- Issue
- 1 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
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90 Eduard Baneth Judenthums unter sich verlieren und mit ihm ihre Macht und ihren Einfluß. Vor dem eigenen Gewissen wird es ihnen minder schwer gefallen sein, sich mit einem Dogma abzufinden, welches sie als solches vielleicht gar nicht anerkannten. Wenigstens läßt dies eine Aeußerung vermuthen, welche den ihnen gesinnungsver wandten, Boöthosäern in den Mund gelegt wird. Um ihre Ansicht, daß das Schu'otfest immer auf einen Sonntag fallen muß, zu begründen, sagen sie: ״Unser Lehrer Mose war ein Freund Israels; er wußte, daß das Fest nur einen Tag dauert, darum legte er es auf den Tag nach Sabbat, damit sie sich zwei Tage hintereinander ergötzten."*) Man hat ihnen also die Meinung zugetraut, daß Mose die Gesetze nicht auf göttliches Geheiß oder göttliche Eingebung hin gegeben hat, sondern aus seiner überlegenen, weitblickenden Einsicht, so daß die Tora nur insofern göttlich wäre, als sie der Ausfluß eines von Gott mit Übermenschlicher Vernunft ausgerüsteten Geistes ist. Die Zusammenstellung^): האומר אין תחיית המתים מן התורה ואין תורה מן השמים ואפקורם ist nicht ohne innern Zusammenhang. Leugner der Unsterblichkeit, Leugner der Göttlichkei t der Tora und Epikuräer — zu dieser Zeichnung von dem des ewigen Lebens Untheilhaftigen scheinen Sadokäer und Boöthosäer den Rabbinen gesessen zu haben. 5. Wenn beide Sekten trotzdem die Gesetze Mose's als verkindlich anerkannten, so geschah es nur aus Furcht vor dem Volke. Im Ganzen hat Maimonides das Richtige getroffen, wenn er in seinem Mis'nakommentare 1 2 3) meint, daß sie die Ueberlieferung nur für unmaßgebend hielten, um freien Spielraum für eiye bequemere Schriftauslegung zu gewinnen, und so das Gesetz nach Bedürfniß oder nach Belieben umzumodeln. Im Grunde machten sie wenig Unterschied zwischen biblischen und nichtbiblischen Vorschriften; sie unterschieden lediglich zwischen bequemen und unbequemen Satzungen. Am liebsten hätten fie dies offen eingestanden, um der Mühe überhoben zu sein, sich mit den ihnen 1) M°Mat Ta-mit K. 1. Mnahot 65 a. 2) In Synhedrin X. 1. 8) Zu Abot I. S.