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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1882-01-01 · 1 (1882) · p. Seite 89

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
9 (1882)
Issue
1 (1882)
Date
1882-01-01
Page
Seite 89 (sequence 92)
Language
German
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Ueber den Ursprung der Sadokäer und Bosthosäer. 8S In welcher Weise aber die S. ihre Behauptung, daß Gott nicht nur die menschlichen Handlungen nicht vorherwisse, sondern sich überhaupt um die Menschen nicht bekümmere, mit der großen Zahl von Bibelstellen, welche dem widersprechen, in Einklang brachten, wie sie sich von diesem Standpunkte aus die Offenbarung am Sinai und eine göttliche Gesetzgebung erklärten, läßt sich mit Bestimmheit nicht sagen. Josephus giebt darüber keinen Aufschluß. Allenfalls kann man vermuthen, daß sie Bibelverse, welche von einer göttlichen Einwirkung auf die Geschicke der Menscheu handeln, der Tugend irdischen Lohn und irdische Strafe dem Laster verheißen, nicht ganz wörtlich nahmen *), wozu ja auch die PH. den gerade an solchen Stellen häufigen Anthropomophismen gegenüber genöthigt waren. Und was die Göttlichkeit der Thora betrifft, so steht die Anerkennung dieses Dogma's mit der Leugnung einer Vorsehung und Vergeltung nicht in so direktem Widerspruch, daß Eins das Andere nothwendig ausschließen müßte. Gottes Allgüte wollte uns doch wenigstens den Weg zeigen, welcher zur Seligkeit führt, in seinem Gesetze uns die Mittel geben zur Erlangung des höchsten Gutes, wenn es ihm auch gleichgültig ist, ob wir diese Bahn verfolgen und das Ziel erreichen. Vor der Welt konnten sie auf diese Weise ihren gemäßigten Epikureismus, wenn sie seine Konsequenzen nicht streng genug zogen, mit dem Dogma der Offenbarung zur Noth in Einklang bringen, und sie mußten es thun, wollten sie nicht ganz den Boden des 1) Auch mit der Grußformel יברכוך טובים durften sie es nicht so genau nehmen. Es konnte ihnen doch nicht entgehen, daß diese zwei Worte einander widersprechen, daß die טובים, die Seligen, die sich um die Wohlfahrt der Menschen nicht bekümmern, den Menschen nicht segnen können. Es war eben eine leere Phrase in ihrem Munde, eine Gedankenlosigkeit, wie sie in Grußformeln nicht eben selten ist. Sie bedienten sich des altherkömmlichen Grußes — nur, daß sie für den Gottesnamen oder richtiger für die an dessen Stelle getretene Metonymie שמים, welche eine Modifikation erheischte, das ihnen mehr zusagende und auch sonst als Bezeichnung für die Gottheit von ihnen angewendete טובים setzten — ohne sich bei dieser halbbiblischen Wendung (vgl.ועליהם תבוא ברכו? טוב: Spr. 24, 25.) vielmehr zu denken, als der Grieche bei seinem äyady tvxji, oder wir, wenn wir ״Grüß' dich Gott" sagen.

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