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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1882-01-01 · 1 (1882) · p. Seite 85

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
9 (1882)
Issue
1 (1882)
Date
1882-01-01
Page
Seite 85 (sequence 88)
Language
German
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Heber den Ursprung der Sadokäer und Boöthosäer. 85 Bedeutungen des Wortes טוב hier ineinander, und beide führten sie zu demselben Schluß, daß es eine göttliche Vorsehung und ein Schicksal nicht giebt. Deshalb bedienten sie sich vorzugsweise des Grußes יברכוך טובים, und eben deshalb suchten ihre Gegner, die Pharisäer, den alten Gruß יברכך יוי wieder einzuführen. Mit Recht erblickten sie in den scheinbar so unschuldigen, harmlosen Worten eine דרך המינות, eine verdammenswerthe Häresie, mit Recht eine Gefahr, gegen welche man für Gott eintreten (עת לעשות לירי), gegen welche man ankämpfen mußte mit allen Mitteln, selbst mit Verletzung jener frommen Scheu, welche in der Anwendung des heiligen Gottesnamens zum Zwecke des Grußes eine Prosanirung sah (הפרו תורתך). Besser den Namen Gottes der Entweihung durch leichtsinnigen Mißbrauch aussetzen, als der Lästerung durch eine blasphemirende Umschreibung! Ist diese Auffaffung richtig, so haben wir hier ein .sehr altes und darum um so zuverlässigeres Zeugniß für die Richtigkeit der Angabe bei Josephus, daß die S. das Walten einer göttlichen Vorsehung leugneten. Eine fernere Bestätigung glaube ich in einer allerdings viel jüngern Talmudstelle ל zu finden. R. J°- hosü'a b. H^nanja, wird dort erzählt, wurde nach einem Belege aus der heiligen Schrift gefragt, in welchem ausgesprochen sein soll, daß Gott die Tobten wieder belebt und die Zukunft voraussieht. Die letzte Frage kann sich nur auf die göttliche Präszienz solcher Handlungen beziehen, welche der freien Wahl des Menschen überlassen sind. Daß Gott alle anderen Vorgänge und Ereigniffe, deren Eintreten oder Nichteintreten lediglich von seinem Willen abhängt, voraussieht, braucht nicht erst aus einem Schriftverse dargethan zu werden; die ganze Prophetie ist dafür ein sprechender Beweis. In der That handelt der Schriftvers, den der Rabbi als Beleg anführt a), von dem Abfall der Israeliten, einem Ereignisse, welches ganz außerhalb der göttlichen Einwirkung liegt. Die Frage war daher sehr berechtigt, ob Gott auch solche Ereigniffe, welche er nicht herbeiführen kann, vorauszusehen im 1) Synhedrin 906. 2) Deuteronomium 31, 16.

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