Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 9 (1882)
- Issue
- 1 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2572068-2572081-2572082--1589-2573735- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ueber den Ursprung der Sadokäer und BoAhosäer. 83 sehen werden, besonders treffend und charakteristisch erscheinen mußte. Wenn in der oben aus Josephus *) angeführten Stelle die Lesart: röv 6-söv s^m rov bQ&1) ti xaxöv fj ecpoQ&v rt&evrai, richtig ist,2) so hielten es die S. für unvereinbar mit der Allgüte Gottes, daß er über den Menschen Böses verhängen oder auch nur theilnahmslos den Leiden eines Menschen zusehen könne; da es sich aber schlechterdings nicht wegdisputiren ließ, daß es auf Erden viel.Unglück giebt, sahen sie sich genöthigt, eine himmlische Vorsehung ganz und gar zu leugnen. Gäbe es eine Vorsehung, welche sich um das Wohl und Wehe der Menschheit kümmert, so müßte die Gottheit vermöge ihrer Allgüte auch das Unglück, welches wir uns selbst durch eigene Unbesonnenheit zuziehen, von uns abwenden. Auch das Gute kommt uns also nicht von ihr, vielmehr ist der Mensch ganz sich selbst überlasten, er ist seines Glükkes wie seines Unglücks eigener Schmied. SabbovxaZoi 6h rf!v 11 h! thm01mn]1> ävaiqovoiv.äxavra ö’ hp’ rjfili! avrols ‘ti&evrai &g xal rmv aya&mv alrlovs rj/za.c avTovg y1v0[1dvovs xal rä זי«?« riitfiTSOav äßovXiav XafißdvovTag.1 2 3) Gottes Allgüte beschränkt sich demnach darauf, durch die Natur die Mittel hervorzubringen, deren der Mensch zu seinem Glücke und zu seiner Wohlfahrt bedarf, es ihm selbst überlaffend, ob er sie weise benützen oder verscherzen will. So kamen die S. auf einem kleinen Umwege zu einer der epikureischen Grundlehren, zur Leugnung der el(1aQ{1ivr! und nQövoia, des Schicksals und der Vorsehung. Sie konnten dieselbe auch direkt aus dem Satze von der in der Lust bestehenden Seligkeit der Gottheit ableiten. Zwar konnten sie — wir haben das bereits angemerkt — diesen Satz nicht seinem vollen Umfange nach anerkennen; sie müßten denn, was undenkbar ist, in weiterer Konsequenz auch die Welt- 1) Bell. Jud. II. 8.14. 2) Sie ist wenigstens die ursprüngliche; für e<p0Qäv hat man später!17) ö(1äv eorrigirt und demgemäß übersetzt: ״sie behaupten, daß Gott nicht schuld sei, wenn Jemand etwas Böses thut oder nicht thut," wodurch der Sinn des Satzes vollständig geändert wird. 3) Antiquitates XIII. 5.9.