Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 9 (1882)
- Issue
- 1 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 83)
- Language
- German
- Belongs to
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80 Eduard Baneth lag vielleicht in dem erwähnten Verbot des unduldsamen Syrers, welches das Aussprechen des Gottesnamens untersagte. In jener trüben Zeit des Druckes und der Religionsverfolgungen mochte man auf das Auskunftsmittel gekommen sein, an die Stelle des Gottesnamens die metonymische Benennung שמים zu setzen, bei welcher der syrische Unterdrücker sich um so eher beruhigte, als das entsprechende griechische Wort Oiqavos als Eigenname den Vater des ältesten Götterkreises der griechischen Mythologie bezeichnet. Mit der Zeit gewöhnte man sich an diese Benennung, man fand sie allmählich sogar vom religiösen Standpunkte aus schicklicher und angemessener, sofern sie einer leichtsinnigen Profanirung des göttlichen Namens vorbeugte, und bald that man freiwillig und aus religiösen Motiven, was man anfangs nur widerwillig und dem Zwange gehorchend gethan hatte. So kam es, daß die Rabbinen, als nach dem glorreichen Siege über die Syrer der Zwang aufhörte, den ihnen aufgezwungenen Gebrauch aufrecht erhielten und die von den Has'monäern im ersten Ransche der wiedergewonnenen Religionsfreiheit verfügte Anordnung, den Namen Gottes selbst in Schuldbriefen anzuwenden, als einen Mißbrauch betrachteten, dessen Abschaffung sie alljährlich am 3. Tisri festlich begingen. Der Name שמים erhielt sich bis auf den heutigen Tag neben anderen Benennungen wie: ,הקרוש ,רחמנא הקונה ,הבורא u. a., welche im Laufe der Zeit auftauchten und sämmtlich späteren Jahrhunderten angehören. Aelter als diese, aber jünger als שמים ist die Benennung מקום, welche meiner Ansicht nach sich aus שמים als Erweiterung dieses Begriffes entwickelt hat und ursprünglich dazu bestimmt war, diese Metonymie zu verdrängen und zu ersetzen. Mit der fortschreitenden Pflege des philosophischen Denkens mochte man an dieser Benennung Anstoß nehmen, wie man ja überhaupt jeden Anthropomorphismus in Bezug auf Gott zu vermeiden suchte. Die dem Namen שמים zu Grunde liegende Vorstellung, ״der Himmel sei Gottes Thron und die Erde der Schemel seiner Füße") enthält eine Anthropomorphie, gegen die sich die nüchterne, philosophisch geschulte Reflexion der spätern Zeit sträubte. Da- 1) J-j.66. 1.