Mannheim
Compact Memory

Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1882-01-01 · 1 (1882) · p. Seite 75

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
9 (1882)
Issue
1 (1882)
Date
1882-01-01
Page
Seite 75 (sequence 78)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2572068-2572081-2572082--1581-2573727
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ueber den Ursprung der Sadokäer und Boöthosäer. 75 drängen? Ist es ferner wahrscheinlich, daß Aenderungen im Tempelritual gemacht wurden in Folge einer samaritanischen Häresie? Die Samaritaner galten nie als rechte Juden; sie traten zu oft dem Judenthume feindselig gegenüber, man mißtraute ihnen von jeher, lange bevor man sie gänzlich den Heiden gleichstellte — und man hätte um ihretwillen, mehr noch, um einer ihrer obskuren, jedenfalls ziemlich einflußlosen Sekten willen liturgische Aenderungen im Tempeldienste vorgenommen? Das ist kaum anzunehmen! Viel näher liegt es, daß dieselben eine Folge des um sich greifenden Einstusses einer mächtigen, jüdischen Partei sind, wie die Sadokäer es waren, 'einer Partei, welche gerade unter dem Priesteradel die meisten Anhänger hatte, welche sich aber doch in der Praxis den pharisäischen Anordnungen unterwerfen mußte, wie wir später sehen werden. Dazu kommt, daß unsere Talmudausgaben an dieser Stelle geradezu צדוקים statt מינים lesen, und wenn wir auch dieser Variante gegenüber der übereinstimmenden Lesart der Mis'na- und J°rufalmiausgaben, sowie der von Rabbinowitz*) verglichenen Bablihandschriften kein besonderes Gewicht beilegen, so fällt sie doch schwer genug in die Wagschale, um bei der Wahl zwischen Dositheern und Sadokäern für diese den Ausschlag zu geben. In der heiligen Schrift ist von einem Leben nach dem Tode ebensowenig die Rede, wie von einer Vergeltung in einem ander» Leben. Erst später, als in Folge des sadokäischen Widerstandes sich überhaupt das Streben geltend machte, die mündlichen Ueberlieferungen an das Schriftwvrt anzulehnen, bemühten sich die Rabbinen auch für das Jenseits wenigstens einen An- Haltspunkt in der Bibel zu finden. So N. Gamliel in einem Disput mit den Sadokäern *), welche seine Belegstellen aus dem Pentateuch, den Propheten und den Hagiographen wiederholt zurückweisen und erst, beim vierten Verse ף die Waffen strecken. Bei alledem war der Sieg doch sehr leicht errungen; denn unan- 1) S. Dikduks Soperim. 2) Synhedrin 90 *> Mitte. 3) Deuteronomium 1. 8.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.