Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 9 (1882)
- Issue
- 1 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 77)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Eduard Baneth dern, triftigen Grund hat er nicht für seine Annahme. Was er als solchen ausgiebt, nämlich die ״Erwähnung noch anderer Einrichtungen, welche den Behauptungen der Dositheer entgegentreten sollten", wäre eher geeignet, zu dem entgegengesetzten Ergebniß zu führen, daß diese Sekte nicht gemeint sein kann. Zunächst ist hier nicht von noch anderen Einrichtungen die Rede, sondern nur noch von einer einzigen, den Gebrauch des Gottesnamens beim Gruße betreffend, welche mit einem Zitat aus den Psalmen') schließt. ״Dieser Vers", sagt Geiger, ״soll die Noth- Wendigkeit von Anordnungen begründen, für Gott etwas zu thun, wenn die Lehre zerstört wird." Wieso wird aber die Lehre zerstört, wenn man sich scheut, Gottes Eigennamen auszusprechen und dafür lieber den Gattungsnanien ^lohim setzt? Ich fasse freilich das erwähnte Zitat anders auf. Nach meiner Ansicht ist הפרו תורתך Hauptsatz, עת לעשות לירי dagegen Temporalsatz, und der Vers soll die Nothwendigkeit von Anordnungen begründen, welche ein Verbot, wie die Profanirung des heiligen Namens?) aufheben, wenn es gilt, etwas für Gott zu thun. So wird der Vers auch von R. Johanan und Simon b. Lakis'^) aufgesaßt. Aber selbst nach dieser Auffassung kann ich in der ehrfurchtsvollen Pietät der Dositheer nichts Ketzerisches entdecken, was die Rabbinen herausfordern könnte, es mit Aufopferung einer Gesetzesvvrschrift zu bekämpfen. Und ist es, abgesehen von diesem Schlußsatz, überhaupt denkbar, daß die Rabbinen aus bloßem Widerspruchsgeist gegen eine samaritanische Sekte, welche einzelne verderbliche Anschauungen hegt, mit diesen zugleich und lediglich um dieser willen auch ihre guten Einrichtungen bekämpft haben, zumal die übrigen Samaritaner die schlechte Gewohnheit hatten, in Schwüren und Betheuerungen den vierbuchstabigen Gottesnamen auszusprechen?1 2 3 4) Wäre es nicht angemessener, diesem Mißbrauch entgegenzutreten, statt ihn zu sanktioniren, um Seite an Seite mit ihnen den frommen Brauch der Dositheer zu ver- 1) 119. 126. 2) Synhedrin X. 1. 3) Dmura 143. 4) j-r. Synhedrin X. 1 Ende.