Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 9 (1882)
- Issue
- 1 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Eduard Baneth er spricht klar und unzweideutig von ״Gesetzesvorschriften, welche in den Gesetzbüchern Mose's nicht geschrieben stehen, und die die S. aus diesem Grunde (öiä covco) verwarfen, indem sie nur jene Schriften (exslva ca yeyQa[1!dva sc. Ta ev cols Mmiioems vöfiois) für verbindlich hielten." Deutlicher kann man doch nicht sein! Noch schwereres Unrecht aber als Josephus geschieht den Pharisäern. Nach D.'s Darstellung wären ihre Gegner die konservative Partei, sie selbst aber Reformer, welche ״dem Geiste des Fortschrittes huldigend" zu Zugeständnissen geneigt waren und die sinaitischen Ueberlieferungen den veränderten Zeitverhältnissen anbequemten, wenn es sein mußte, auch opferten. Das heißt aber das Verhältniß beider Parteien zu einander geradezu auf den Kopf stellen, und ich glaube auch, daß beide einstimmig das ihnen zugedachte Kompliment ablehnen würden, trotzdem sich D. in diesem Punkte in Uebereinstimmung mit Geiger befindet. Auch G. meint,') daß die S. an den alten Normen festhalten, ״die alte Halacha und Tradition ist zunächst ihr Werk, die jüngere Gestaltung ist die der PH."; nur daß er den angeblichen Widerspruch zwischen Josephus und dem Talmud nicht erst zu lösen sich bemüht, sondern den Knoten einfach durchhaut, indem er jenem die Glaubwürdigkeit in dieser Frage abspricht. Er faßt zwar die zuletzt angeführte Stelle aus Josephus, in der Hauptsache richtig, so auf, ״daß die S. viele Ueberlieferungen der Väter verwerfen und sich nur an das geschriebene Wort Mose's halten," fährt aber dann fort: ״Auch hier hat Josephus wieder generalisirt und wissen sämmtliche alte Quellen nichts von dieser prinzipiellen Abweichung. Der Talmud kennt einzelne Abweichungen, betrachtet Gegenstände, bei welchen S. einstimmen (דבר שהצדוקים מודים בו) als selbstverständliche, zu denen es keiner Gelehrsamkeit bedarf (tri,דל קרי בי רב ד)." Hier ist Manches unrichtig, was rektifizirt werden muß. Josephus sagt nicht, daß die S. viele Ueberlieferungen verwarfen, was so aussieht, als ob sie einige anerkannt hätten, sondern er sagt wörtlich: ״Die PH. haben viele Vorschriften und Gebräuche, welche in den Gesetzbüchern Mose's 1) a. a. O. S. 134.