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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1882-01-01 · 1 (1882) · p. Seite 62

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
9 (1882)
Issue
1 (1882)
Date
1882-01-01
Page
Seite 62 (sequence 65)
Language
German
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62 Eduard Baneth 1. Den grellen Gegensatz zwischen der Ueppigkeit und der Prachtliebe der Sadokäer auf der einen Seite und der nüchternen Enthaltsamkeit der Pharisäer, welche ob ihres mäßigen, bedürfnißlosen Lebens von jenen noch verspottet werden, auf der andern Seite markirt der Schlußsatz der Eingangs mitgetheilten Stelle aus Abot d. R. Natan K. 5 mit wenigen, aber treffenden Worten: ,והיו משתמשים בבלי בסף ובלי זהב כל ימיהם שלא היתד דעתם גסה עליהם אלא צדוקים אומרים מסורת הוא ביד פרושים שהם 1.מצערים עצמם בעולם הזה ובעולם הבא אין להם כלום) Man vergleiche damit den vom pharisäischen Standpunkte aus geschriebenen Satz: אתם רואים את הרשעים מצליחים בעולם הזה כשנים ושלשה ימים הם מצליחים וסופם לדהות באחרונה והם רואים את הצדיקים מצטערים 2.בעולם הזה כשנים ושלשה ימים מצטערים וסופם לשמה באחרונה) Auch sonst begegnen wir im Talmud einer großen Anzahl von 1) Geiger übersetzt (Urschrift S. 105): Die Saddukäer sagten: die Pharisäer haben selbst die Ueberlieferung, daß sie sich auf dieser Welt abhärmen und in jener doch nichts haben. ״Der Spott über die Pharisäer, die eigentlich selbst die Nichtigkeit ihrer Hoffnungen kannten," ist nach ihm für die S. charakteristisch. Zu einer solchen Interpretation ist aber durchaus kein Grund vorhanden. Das ist auch kein Spott mehr, was G. den Sadokäern in den Mund legt; das ist eine Soltise, noch dazu eine recht abgeschmackte, die wenig Lacher finden wird; denn die Zumuthung, daß die PH. an Hoffnungen zäh festhielten, die sie als nichtig erkannt hätten, ist so albern, daß sie dem Witz der S. wenig Ehre nlachen würde. Soll dies aber so gemeint sein, daß die PH. gegen ihr besseres Wissen dem Volke ein Mährchen aufbinden, so ist das wiederum kein Spott, sondern eine boshafte Verleumdung, und zwar eine so plumpe, daß sie die S. selbst nicht glauben konnten. Sie geben ja selbst zu, daß die PH. sich abhärmten und auf die Genüsse dieser Welt verzichteten; waren sie aber nichts als Heuchler und Betrüger, warum sich abhärmen und verzichten? warum aus der Verstellung Ernst machen? Die Welt, die getäuscht sein will, blendet man mehr durch Frömmelei, als durch aufrichtige, wahre Frömmigkeit, durch den Schein der Tugend mehr, als durch die ungeschminkte Tugend selbst! Richtiger ist es, den Schlußsatz als selbstständigen Satz aufzufassen: ״Es ist eine Ueberlieferung in den Händen der PH., daß sie sich hienieden quälen; in einem kommenden Leben aber haben sie nichts.״ Was nun in den Worten der S. zum Ausdruck kommt, ist spöttisches Mitleid mit der frommen Einfalt, die sich den sichern Genuß des Augenblicks einer unsichern Zukunft zu Liebe entgehen läßt. &) Siprs: Deuteronomium, 53.

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