Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 9 (1882)
- Issue
- 1 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueber den Ursprung der Sadokäer und Bosthosäer. 35 lichen Sinne des Wortes, d. h. der Fernhaltung von allem Unreinen, hingestellt wird. Das Zusammentreffen so vieler Umstände erhöht die Wahrscheinlichkeit unserer Vermuthung, daß wir in diesen Misnot sehr alte Aufzeichnungen von der Hand eines Schülers jenes frommen Priesters besitzen, verfaßt und geschrieben zu einer Zeit und aus einer Zeit heraus, in welcher die griechische Philosophie die Köpfe zu verwirren anfing, die ersten, schüchternen Versuche zu einem Sturm auf die Ueberlieferung, jene ״Schutzwehr der geoffenbarten Religion" gewagt wurden, und gerade die Priester, welche doch in erster Linie berufen waren, eine Stütze des Allerheiligsten zu sein, in erster Linie sich von allem Verunreinigenden fernhalten mußten, in einen beklagenswerthen Gegensatz zu jenem frommen Priester und zum Pharisäerthum überhaupt traten. Ist dies der Fall, so ist dieMisna, von der wir ausgegangen (H°g!ga II, 1), gegen Sadok und Boöthos, die Mitschüler Jose's, und ihre Schulen gerichtet, welche zwar noch nicht den ausgeprägten Charakter der später so mächtigen Partei zur Schau tragen, die aber, vielleicht ohne es zu wollen und in bester Absicht, den Boden vorbereiten für die blutige Drachensaat, welche bald genug verheerend und schreckenverbreitend emporwucheru sollte, indem sie durch Popularisirnng einer verderblichen philosophischen Richtung die ersten Keime der bald üppig ausschießenden Irrlehren in die breite Masse des Volkes streuen. Welcher Art die Philosopheme waren, die den Sadokäismus zeitigten, läßt der Schlußsatz jener Mis'na errathen. Die dunkeln Worte: ״Und wer nicht Rücksicht nimmt auf die Ehre seines Eigners, dem wäre es besser, er wäre gar nicht auf die Welt gekommen", scheinen auf eine bestiinmte philosophische Richtung hinzudeuten. Wir werden nicht fehlgreifen, wenn wir annehmen, daß die epikureische Lehre gemeint ist, welche der Gottheit eine ziemlich überflüssige Nolle in der Weltordnung zuertheilt, die Welt der Erscheinungen aus natürlichen Ursachen erklären zu können vorgiebt, ohne Einmischung der Götter, welche die Welt nicht geschaffen haben, vielmehr selbst nur aus den feinsten der von Urewigkeit her existirenden und allem Bestehenden zu Grunde lie- 3*