Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 9 (1882)
- Issue
- 1 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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24 Eduard Baneth sinnigen als siegreicheil Helden zuerst zu Egypten, später zu Syrien traten, wurden sie mit dem Hellenismus mehr und mehr vertraut. In Egypten, namentlich in Alexandria, wo sich eine zahlreiche jüdische Gemeinde bildete, assimilirten sich die Juden unter den kunstliebenden, die Wissenschaften fördernden Ptolomäern dem Hellenismus leichter. Sie nahmen griechische Bildung in sich auf und reflektirten ihre Strahlen reiner und geläuterter wieder zurück in die griechische Welt. Die Uebertragung der Bibel, welche den Urquell des jüdischen Geisteslebens den Griechen zugänglich machte, hatte zur Folge, daß sie sich mit Eifer und Sorgfalt auf eine philosophische Behandlung derselben legten, um dieses uralte nationale Heiligthum, auf das sie stolz waren, gegen ungerechte Angriffe zu vertheidigen; sie prüften die Ergebniffe griechischer Forschung an den erhabenen Lehren des eigenen Volkes, suchten die Gegensätze, so gut es gieng, abzustumpfen, auszugleichen oder mit einander zu versöhnen, und übten so einen nachhaltigen gestaltenden Einfluß auf die spätere Philosophie. Wahrscheinlich haben jüdisch-alexandrinische Denker schon sehr früh den Versuch gemacht, griechische Weltweisheit mit jüdischer Offenbarungslehre harmonisch zu verschmelzen und so den Grund zu einer Religions- Philosophie zu legen, deren Keime sich schon in der Uebersetzung der ״Septuaginta" triebvoll zeigen?) Mit Sicherheit ist dieses Streben schon bei Aristobul, der unter Ptolemäus Philopator (181—145) lebte, also einem Zeitgenoffen des Antigonos, nachzuweisen?) Größern Widerstand fand der Hellenismus oder das, was dafür ausgegeben wurde, in Palästina. Desto zügelloser war aber auch seine Herrschaft, als der Widerstand endlich unter syrischer Oberhoheit durch äußere Gewalt und innern Verrath gekrochen wurde. Es. war nicht der Genius idealen Griechenthums, es war sein lächerliches, fratzenhaftes Zerrbild, das im Tempel 1) Die ältesten Stücke dieser Uebersetzung, insbesondere die Uebertragung des Pentateuch, reichen hinauf bis in die früheste Zeit der Regierung des Ptolemäus Philadelphus, der von 284—247 König war. 2) S. Ueberwegs Grundriß der Geschichte der Philosophie des Alterthums von M, Heinze, Berlin 1876. S. 268.