Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 9 (1882)
- Issue
- 1 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 8)
- Language
- German
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liebet den Ursprung der Sadokäer und Bosthosäer. 5 präge der Wahrheit an sich, erfüllt alle Bedingungen, welche der Kritiker an eine mit dem Anspruch auf Geschichtlichkeit auftretende Nachricht zu stellen berechtigt ist, in so hohem Grade, daß die souveräne Verachtung, mit welcher sie in neuerer Zeit behandelt wurde, unbegreiflich wäre, fände sie nicht in dem allgemeinen Mißtrauen und der Voreingenommenheit gegen talmudische Geschichtsquellen ihre Erklärung. Die Ungeschichtlichkeit talmudischer Quellen ist heutzutage zu einem unumstößlichen Dogma geworden, dessen zahlreiche Bekenner jeden, der sich nur den leisesten Zweifel erlaubt, mit einem dem Streben nach wahrer Erkenntniß wenig ziemenden und noch weniger förderlichen Fanatismus verhöhnen und verketzern. Paulus Ewalds nennt den Bericht in den A. d. R. N. ״reine Fabel". Den Beweis dafür hat er zwar versprochen, ist ihn aber schuldig geblieben. Das Buch, in welchem er diesen Nachweis führen wollte, ist nicht erschienen, und so wissen wir auch nicht, wie er sich sonst die Namen Sadokäer oder Saddukäer (Sabbovmloi, wie die griechische Schreibart lautet) und Boethofäer erklärt hat. Andere haben sich über unsere Quelle mit einem beredten Achselzucken oder noch beredterem Schweigen hinweggeholfen und über den Ursprung beider Parteien ihre eigenen Vermuthungen aufgestellt. Den sichern Boden eines mit alleil Kriterien der Historizität ausgerüsteten Berichtes hatte man verlassen — jetzt war der Hypothese Thür und Thor geöffnet/ die abenteuerlichsten Vermuthungen hatten den freiesten, weitesten Spielraum. Besonders auf die Erklärung des Namens ״Saddukäer״ ist viel Scharfsinn und Gelehrsamkeit verschwendet worden. Da war kein Versuch so kühn, keine Annahme so gewagt, daß sie nicht geistreiche Vertreter und begeisterte Anhänger gefunden hätte. Wir können uns hier nur mit den wichtigsten Hypothesen über den Gegenstaild unserer Untersuchung beschäftigen. 1. Am weitesten verbreitet ist die Ableitung von dem hebr. Worte צדיקים, d. i. Gerechte; demnach bezeichnet Saddukäer entweder solche, die im Rechtsprechen von unerbittlicher Strenge sind, oder solche, die im Gegensätze zu den Pharisäern (פרושים: etwa Sonderlinge!) auf dem Standpunkte des strikten Rechtes stehen -*- 1) Pirke Aboth, Erlangen 1825- S. 7.