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Magazin für die Wissenschaft des Judenthums · 1882-01-01 · 1 (1882) · p. Seite 2

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Journal
Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
Volume
9 (1882)
Issue
1 (1882)
Date
1882-01-01
Page
Seite 2 (sequence 5)
Language
German
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2 Eduard Baneth ihrer Rettung, ihrer Erhaltung weihten sie in erster Reihe ihre Sorge, ihre Thätigkeit, in zweiter Reihe erst dem jüdischen Staate. Der jüdische Staat! — Wie lange konnte er sich denn noch erhalten? wie lange noch vermochte er dieses Scheinleben zu fristen? Hatten doch selbst die ewig denkwürdigen Siege der Makkabäerhelden kaum einen matten Schimmer des einstigen Glanzes zurückzuerobern vermocht! Ein Lufthauch konnte ihn auslöschen, und dann war es vorbei mit dem letzten Reste nationaler Selbständigkeit. Ein Glück, daß das Judenthum unabhängig ist vom jüdischen Staate! Die Pharisäer hatten richtig erkannt, daß der nationale Sinn die nationale Existenz zu überdauern vermag, daß der jüdische Geist den jüdischen Staatskörper überleben muß, wie die unsterbliche Seele den irdischen Körper überdauert, daß dagegen das jüdische Volk seine Religion nicht aufgeben kann, ohne sich selber aufzugeben. Sie wendeten daher ihr Hauptaugenmerk der Erhaltung der jüdischen Lehre zu. Ihr Streben war darauf gerichtet, daß die Religion in den Herzen ihrer Bekenner so fest und so tief Wurzel fasse, daß sie von allen Stürmen, welche über das Volk Hereinbrechen könnten, nicht erschüttelt werde. Die schon früher von der ״großen Synagoge" ausgegebene Parole: ״Machet einen Zaun um die Lehre" (Abot 1,1) wurde von ihnen mit Eifer ausgenommen und eine Reihe von Verordnungen geschaffen, welche eine Schutzmauer um das Gesetz, namentlich aber eine Scheidewand gegen das Heidenthum, zunächst gegen den Hellenismus, zu bilden bestimmt waren. So entwickelte sich dieP°rifut oder die Absonderung, von der die P°rifin oder Pharisäer ihren Namen haben. Es ist klar, daß Viele ini Volke und in erster Linie die Reichen und Vornehmen sich durch diese Absperrung gegen das Ausland sehr beengt und in ihrer freien Bewegung gehindert fühlen mußten; sie widersetzten sich daher der P^rifut, wurden aber dadurch allmählich zu der Konsequenz gedrängt, die Autorität der Rabbinen zu leugnen, ihre Ueberlieferungen für nicht bindend zu erklären und als einzige Norm das geschriebene Gotteswort hinzustellen, welches freilich wie jedes geschriebene Gesetz die willkürlichsten Deutungen sich gefallen lassen mußte.

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