Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 9 (1882)
- Issue
- 1 (1882)
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Ueber äen Ursprung äer Haäokmer unä Koöt^osäer von Eduard Baneth. In der letzten Hälfte des 2ten vorchristl. Jahrhunderts, nur wenige Jahre nach den glorreichen Makkabäerkämpfen, sehen wir auf dem Schauplatz der jüdischen Geschichte zwei Parteien heftig auf einander stoßen, welche in der Folgezeit in erbittertem, oft blutigem Kampfe sich befehden — die Pharisäer und die Sadokäer. Der Ursprung dieser Parteien ist heute noch nicht ganz klar. Auch über ihr Wesen und ihren Charakter herrschten lange Zeit die verworrensten Vorstellungen. Die Schriften des neuen Testaments, welche aus naheliegenden Gründen beiden Parteien wenig gewogen sind, stellen beide, namentlich aber die Pharisäer, in ein schiefes Licht. Parteilichkeit und Voreingenommenheit haben den Verfaffern bei der Zeichnung ihres Charakters die Hand geführt. Pharisäische Heuchelei, pharisäischer Dünkel und pharisäischer Hochmuth sind sprichwörtliche Redensarten, welche dieser Quelle ihren Ursprung verdanken, und die auch heilte noch gang lind gäbe sind, trotzdem, oder vielmehr weil diejenigen, die sie anwenden, in der Regel nicht wissen, wer die Pharisäer gewesen sind. In neuerer Zeit haben die Quellenforschungen namhafter Gelehrter zu der Erkenntniß geführt, daß nichts falscher und verkehrter sein kann, als diese landläufigen Bezeichnungen. Die hervorragendsten Führer der Pharisäer sind uns fast ohne Ausnahme näher bekannt. Die meisten von ihnen sind von rührender Bescheidenheit, von bewundernswerther Anspruchslosigkeit und Demuth; alle aber sind von echter und wahrer Frömmigkeit tief durchdrungen, allen ist es heiliger Ernst um den Glauben, auch nicht ein . Einziger trägt heuchlerisch die Religion nur als Maske, umjrgend einen noch so großen, noch so heiligen Zweck zu erreichen; denn es gab für sie nichts Größeres, nichts Heiligeres als die Religion, nichts, was ihilen höher stand. S i e lag ihnen vor allem am Herzen; 1