Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 8 (1881)
- Issue
- 1 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2572068-2572079-2572080--1350-2573496- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Recensionen. 49 der*) — einer kritischen Erörterung und kommt seinerseits zu dem Resultat der Letztgenannten, daß nämlich der Talmud die Ausführung des Kaiserschnittes an der Lebenden nicht kannte, und daß unter Joze Dophan solche Fälle zu verstehen sind, wo ohne Kunsthülfe, resp. gerade wegen mangelnder Kunsthülfe, die Frucht, die in Folge von Beckenfehlern der Mutter nicht normal geboren werden kann, sich selbst eine abnorme Ausgangsöffnung neben der normalen Oeffnung des Geburtskanals erzwingt, Fälle, die die heutige Medizin als ״centrale Dammruptur" bezeichnet. Die Ausführungen des Vers, zeugen von eben so großer Belesenheit in den talmudischen Quellen überhaupt, wie in den einschlägigen insbesondere, sowie, was wir besonders gern constatiren, von einer pietätsvollen Hochachtung vor den Talmuden, wie wir dieser in den medizinischen Kreisen nur selten begegnen. Die Beweisführung jedoch ist nichts weniger als überzeugend, weshalb dieselbe von uns im Einzelnen einer Kritik unterzogen werden soll. Das Beweismaterial des Vers, ist Folgendes: 1. Die Bezeichnung ״Joze Dophan“ könne sprachlich aus zwei Gründen den Kaiserschnitt nicht bedeuten, a) weil das Kind dabei nicht thätig, sondern nur herausgeholt wird, es also nicht יצא, sondern מוצא (wie Genes. 38, 25) heißen müffe, h) weil דופן zunächst nur Wand bedeute, allerdings wohl Seite bezeichnen könne, hier aber nur dann ein entsprechend prägnanter Ausdruck wäre, wenn wir noch andere Nachrichten haben würden, daß der Kaiserschnitt damals schon an Lebenden ausgeführt wurde, namentlich da in einer weiter unten behandelten Stelle, wo von einem an einer Verstorbenen ausgeführten Kaiserschnitte die Rede,׳ ausdrücklich gesagt wird, daß der Bauch ausgeschnitten werde, und יצא ד1פן nicht erwähnt wird. Das erste sprachliche Argument wird schon von Steinschneider, dem das Essay vor dem Abdrucke Vorgelegen, damit refutirt, daß ein herausgeholtes Kind ganz gut als pari. aot. intransitiv als ״Herauskommendes״ bezeichnet werden könne. Aber auch das zweite ist leicht dadurch zu erschüttern, daß im Talmud die Sache selbst als bekannt vorausgesetzt wird, und würde diese *) Lehrbuch der Geburtshilfe §. 254 Anhang. 4