Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 8 (1881)
- Issue
- 1 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Sechsunddreißigster Psalm. 28 Der das Orakel einpfangende war nicht sogleich ein ״Bösewicht", sondern er ist erst in Folge der Verführung ein solcher geworden, nachdem er die Stufenleiter so weit hinabgestiegen, daß er auch das ״Böse nicht verschmäht," und seine gegenwärtige Sündhaftigkeit soll hier nach ihren Anfängen und Anlässen erklärt werden. Andernfalls würde die Schilderung seines Thuns in den nächstfolgenden Versen matt und abfallend erscheinen. Die Emendation von לבי in לבו, nach der LXX von Thenius, Hupseid, Hitzig, Böttcher, Delitzsch und natürlich auch von Grätz empfohlen, hatte schon De Wette als die ״leichtere Lesart" abgewiesen; in Wahrheit erscheint der Vers durch dieselbe ziemlich inhaltleer, da selbstverständlich jeder Bösewicht in seinem Herzen Einflüsterung der Sünde enipfängt. Diese Einflüsterungen, sagt vielmehr der heilige Sänger, liegen mir in meinem Herzen, Sinne, und ich will sie darstellen. — Anstatt der von den alten Erklärer» beliebten Auffassung, nach welcher das Schwinden der Gottesfurcht das Ziel der sündhaften Einflüsterung, eigentlich den Inhalt derselben bilden soll, ist vielmehr der Mangel an Gottesfurcht als die Voraussetzung des Sündenfalls, als dessen Ausgangspunkt und erste Stufe anzusehen. Die Worte '1)1 INS אין bilden einen absichtlich schleppend angehängten Nebensatz: es ist nämlich keine Gottesfurcht ihm vor Augen. — V. 3. בי, daß leitet den Inhalt der Offenbarung ein; mein Herz sagt mir, daß die Sünde u. s. w. Daß diese und nicht, wie Hupfeld und auch Grätz meinen, Gott oder (nach Rosenmüller, Ewald und De Wette) der Sünder, daß die Sünde Subject zu החליק sei, hat Delitzsch richtig erkannt. Aber dies Zeitwort kann nicht, wie an den meisten anderen Stellen mit Ergänzung von אמרים schmeicheln bedeuten, da alsdann der Zusatz 1בעיני überflüssig und sogar unpassend wäre. Vielmehr ist der nachher erwähnte Weg des Unrechts Object, und diesen hat die Sünde glatt gemacht, von Anstößen und Hindernissen (vgl. Jes. 40, 3; 57, 14) gereinigt, nicht in Wirklichkeit, das vermag sie nicht, aber vor seinen, des Sünders Augen, sie hat ihm vorgespiegelt, daß keine vorhanden seien. Namentlich halste die Haupthindernisse, seine G ew issens bedenken beseitigt, indem sie ihm vorredete, er solle nur das Unrecht suchen, (מצא