Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 8 (1881)
- Issue
- 1 (1881)
- Date
- 1881-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Der fe<k8unääreistigfte |J l’afin, (ohne Textveränderungen) commentirt von vr. W. Feilchenfeld. Der sechsundreißigste Psalm ist, wie auch manche andere Psalmen z. B. Ps. 19 und 73, als ein lyrisches Lehrgedicht, oder richtiger als ein didactisches Gebet zu bezeichnen, insofern Inhalt und Darstellung des Gebets einem bewußten Lehrzwecke dienen. Der Psalm schildert in lebhaften Farben die Festigkeit und Beharrlichkeit einer auf GotteSverehrung gegründeten im Gegensätze zu der sich selbst überlassen e n u n d d a m i t jeder B c r s u ch u n g preisgegebenen Sittlichkeit. Seine Bestimmung ist wohl, wie aus B. 12 ersichtlich, hochmüthigem Gerede der Zeitgenossen von der ausreichenden Macht einer, in sich gefestigten Sittlichkeit und von der Entbehrlichkeit religiöser Stützen für dieselbe durch den Hinweis auf thatsächliche Verhältnisse und Vorgänge widerlegend entgegenzutreten. Er zerfällt nach der Ueberschrift in drei scharf begrenzte und doch eng zusammenhängende syminetrisch aitfgebaute Strophen. Nachdem V. 2—5 uns die überwältigende Eintvirkung sündhafter Versuchung auf die von keiner religiösen Erkenutniß beschirmte Tugend vorgeführt haben, erinnern V. 6—9 an die Festigkeit einer von Gottesfurcht und von Hoffnung auf Gottes Gnade gehaltenen und durck dieselben befestigten Sittlichkeit. Daran schließt sich V. 10—13, das eigentliche Gebet, in welchem der heilige Sänger im Lichte Gottes zu wandeln gelobt und um göttlichen Schutz für sein sittliches Leben fleht, damit dies nicht, gleich der Tugend in Hochmuth Gott abgewendeter Thoren der Sünde verfalle.