Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 7 (1880)
- Issue
- 1 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 180)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2572068-2572077-2572078--1104-2573250- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Recens tonen. 177 mischen Kaiserhofe angesehenen Gesetzeslehrers R. Josua b. Chananja (S. 25), die Erlaubniß zur Wiedererbauung des Tempels in Jerusalem gegeben (Lsrssob. rabb. Cap. 64). Die Brüder Schemajah und Achijah, die (schon nach Derenburg u. AA.: S. 18) neben diesen ihren hebräischen Namen die landesüblichen Namen Pappus und Lollianus empfangen hatten, betrieben das Unternehmen mit besonderem Eifer. Nachdem am 12. Adar die Erlaubniß des Kaisers bekannt geworden, wurde vier Tage später, am 16. Adar, der Bau des Tempels in Angriff genommen (S. 24 A. 2) und der 12. Adar als Trajanstag (יום טריון) zum Feiertage eingesetzt. Schon hatte sich eine aus allen Nachbarländern zusammenströmende Volksmenge in glücklichster Stimmung in der Ebene von Bet-Rimmon versammelt, da verbreitete sich die Schreckenskunde, die kaiserliche Erlaubniß sei nachträglich in einer Weise beschränkt worden, welche einem Widerrufe gleichkam. Kaum war das versammelte Volk durch R. Josua zu beschwichtigen. Pappus und Lollianus totgbett auf Befehl des römischen Statthalters Quietus hingerichtet, die kurze Freude war in Trauer verwandelt, der Trajanstag wurde abgeschafft (Jerusch. Megillah I, 4; Taan. II, 1), eine Empörung fast aller von Juden bevölkerten Landschaften brach aus (116) und wurde blutig gedämpft. In diesem Kriege (Polemos des Quietus) erging von den Gesetzeslehrern ein Verbot, die Kinder nicht mehr Griechisch zu lehren (Mischn. Sotah 9, 14) und zwar wegen der Angeber (Jerusch. Sot. z. St.). Woher dieses Verbot? Weil, sagt der Vers., hellenistische Christen es gewesen, welche den Tempelbau Hintertrieben und Trajan zur Rücknahme der Erlaubniß bewogen hatten. Während die in Palästina einheimischen Christen als Juden lebten, Gesetz und Tempel hochhielten und national gesinnt waren (S. 26—28. 32. 33. A.), hatten die aus dem Kreise der hellenistischen Juden, die schon zu Philo's Zeit gesetzwidrig lebten (S. 29) dem Christenthum Beigetretenen sich in einen Gegensatz zur Nationalität und Gesetzlichkeit der Juden gestellt. Sie nahmen die Zerstörung des Tempels gern für gleichbedelitend mit der Aufhebung des jüdischen Gesetzes (S. 31). Die Wiederherstellung des Tempels mußte ihnen daher wie eine Widerlegung ihrer Behauptung erscheinen, daß Gott selbst durch