Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 7 (1880)
- Issue
- 1 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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J-lam und Judenthum. 33 Ursache der Ungläubigkeit die Erziehung darin, und der Glauben durch die Schöpfung des Menschen verursacht sei; der zweite hingegen lehre, daß Ungläubigkeit und Ungehorsam Gottes Schöpfungen und der Diener (Mensch) zu ihnen gezwungen sei. Daher theilten sich die Jsmaeliten in dieser Beziehung in zwei Secten, deren Eine glaubt, daß des Menschen Erwerb ((קני) Ursache des Ungehorsams (המרי) und des Guten sei, und deswegen Lohn und Strafe ihm zukomme, dies ist die Muatazile; die andere glaubte das Gegentheil, daß nämlich der Mensch in seinen Handlungen gezwungen und unfrei ist, das ist die Secte Dschabarijje, d. h. Fatalisten (מאמיני ההמרה). Die Späteren derselben fanden aber darin viele Schwierigkeiten, und zwar, wenn wir annehmen, daß der Mensch seine Handlungen hervorbringt und erschafft: so giebt es nothwendig Handlungen, die nicht nach Gottes Willen und Wahl gehen, und dann giebt's einen Schöpfer außer Gott; es kommen aber (die Muhammedaner) darin überein, daß es keinen Schöpfer außer Gott gebe. Nehmen wir aber auch an, daß der Mensch nicht Urheber (קונה) seiner Handlungen sei, so ist er nothwendig zu seinen Handlungen gezwungen; dann gehört aber das Gebot zu dem, was er nicht vermag, und ist dem Menschen geboten, was er nicht vermag: also ist kein Unterschied zwischen dem Gebot an ihn und an den Esel; denn der Esel hat kein Vermögen, und so auch der Mensch keines zu dem, was er nicht vermag. Dieser Zweifel entstand ihnen aber durch ihre Annahme, daß es keinen Schöpfer außer Gott gebe. — Uns aber ist gesagt worden (wir aber glauben), daß Gott dem Menschen Freiheit (רשות) gegeben zu seinen Handlungen, daß nicht Gott, sondern er selbst durch seine Freiheit sie erschaffe. Die Schwierigkeit aber, die man von Seiten der Vernunft hiergegen aufwerfen kann (ist): ob Gott weiß, was der Mensch wählen wird oder nicht; weiß er es, so ist es bereits von Gott ermessen, und der Mensch hat keine freie Wahl, das Gegentheil zu thun; unser Grundsatz ist aber, daß der Mensch freie Wahl besitze; weiß Gott nicht, was der Mensch wählen wird: so scheint es ein Mangel Gottes, gelobt sei er, daß Er (Etwas) nicht wiffe. — Dies ist eine philosophische Schwierigkeit, von der wir bereits in dem Buche OLeb Mischpat (über Hiob) gesprochen haben und