Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 7 (1880)
- Issue
- 1 (1880)
- Date
- 1880-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Steinschneider Was aber in unserer vollkommenen Lehre hierüber vorkömmt, snämlichj daß Gott im Himmel sei, deutet nur auf eine Erhabenheit über seine Geschöpfe [fol. 21b], Dies erklärte bereits Salomo, indem er sagt: ״Siehe, die Himmel und der Himmel Himmel fassen Dich nicht, um wieviel weniger dieses Haus u. s. w." (1. K. 8, 27) (Ebenso Jes. 66,1): ״Der Himmel ist mein Thron und die Erde mein Fußschemel u. s. w." Wie aber der Fußschemel nichts Sinnlichwahrnehmbares ist, wie wir es sehen, so auch der Thron, der Himmel. Die Worte unserer Weisen, gesegneten Angedenkens, lauten: ״Er ist der Ort der Welt, nicht die Welt sein Ort" (Gen. Rabb. C. 68). In Beziehung auf das sinnliche Schauen Gottes sind die Speculirenden unter den Männern ihrer Lehre in großer Verwirrung, und zwar wegen der Ausdrücke ihrer Schrift, die einander widersprechen, worunter aber diejenigen, welche das Schauen affirmiren, mehr sind, als die es negiren; indem sich nur ein einziger solcher findet, nämlich: ״Es gewahren Ihn nicht die Augen, aber Er gewahrt die Augen." Daher glaubte die Sekte Mu'atazile, daß Gott nicht sichtbar sei. Allein man schmähte sie hierüber sehr und hielt sie für ungläubig, weil die Schrift im Allgemeinen aufstellt, daß Gott — erhaben ist er über ihre Thorheit! — sinnlich sichtbar ist; und ihr Glaube ist, daß die Gläubigen Gott im Jenseits (באחרית) schauen werden. Die Mu'atazile wurde aber bewogen zu glauben, daß Gott unsichtbar, durch ihreu Glauben an seine Unkörperlichkeit, indem bei Aufhebung der Körperlichkeit der Gegend und der Raum, und somit das Schauen aufgehoben wird. Die Sekte el Asch'- arijje hingegen bemühete sich, es zu berichtigen, daß das Schauen nicht mit der Körperlichkeit aufgehoben werde. Da dies schwer ist, so bedurften sie dazu sophistischer, nichtiger Hypothesen. Damit brachten die Späteren unter derselben ihre Tage zu. Jbn Roschd aber bestritt dies Alles (oder: war gedrängt in allem Diesem?) durch seine oberste Annahme (הנחה), daß Gott, gelobt sei er! sinnliches, sichtbares Licht sei (über deren Mangel- Hastigkeit ich bereits geschrieben), brachte aber zugleich den Ausspruch der Schrift: ״Es gewahren Ihn nicht die Augen, Er aber gewahrt die Augen" nicht zurecht. Alles Dies zeigt die Mangel-