Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 6 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 263)
- Language
- German
- Belongs to
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260 Zur Geschichte der bebräischen Punktation. den Ort anzeigm, wo wir die Lösung desselben zu suchen haben. Es scheint uns offenbar, daß die ersten Versuche, unsere Texte lesbar zu machen, in jenen bescheidenen Schulen gemacht worden sein müffen, in denen unbekannte Lehrer junge Kinder im Lesen dieser Texte unterrichteten. Der Lehrer oderNakrs dardeks, ״der Leselehrer junger Kinder," genoß nicht die Achtung der stolzen Gelehrten, die im Beth hammidrasch saßen und daselbst die hohen Fragen einer subtilen Kasuistik erörterten. Man lieferte ihnen Fragmente von Rollen, die für den öffentlichen Gottesdienst ungeeignet waren, und welche sie zum Unterricht der um sie herum hockenden Jugend verwandten. Man begann damit, die Namen der Buchstaben zu lernen, was den Kindern zuweilen Mühe verursachte, und wir besitzen eine merkwürdige Talmudstelle, die uns das geistreiche Verfahren zeigt, das gewisse Lehrer anwandten.*) So z.B., um den Kleinen die Namen 6immsl, Dalet einzuprägen, sagten sie ihnen die Worte gomel, dallim vor, d. h. ״er thut den Armen wohl," u. s. f.; der Lehrer sprach ein Wort, und seine Schüler sprachen es nach und prägten es ihrem Gedächtnisse ein. Wenn diese aber nicht sehr begabt waren, mußte man seine Zuflucht zu einem äußern Mittel nehmen, das geeignet war, sie an das Wort zu erinnern. Ich denke mir, daß diese verborgen wirkende Thätigkeit lange in den Schulen fortgesetzt wurde und sich durch Uebereinkunft sogar gleichmäßig bei den verschiedenen Lehrern gestalten konnte, ohne daß der höhere Unterricht davon Kenntniß nahm. Die Kinder aus dem Volke begnügten sich mit einigen Gebeten, die sie auswendig gelernt, und den Bruchstücken der Schrift, die sie behalten hatten, im Uebrigen überließen sie sich ihren weltlichen Geschäften. Diejenigen, welche vermöge ihrer Anlagen geeignet waren, ihre Studien weiter auszudehnen und zur Lectüre der Mischnah überzugehen,**) vergaßen sehr bald die Elementarschulen, in denen sie ihre früheste Kindheit verlebt hatten. Nehmen wir an, die Schullehrer hätten während der zwei Jahrhunderte nach dem Schluß des Talmuds ihre Methode der *) Talmud babli, Sabbat 104 a. **) Nach Abot 20 lernten die Kinder im 5ten Jahre lesen und im lOten die Mischnah. Nach Tosekta Hagigab. 1, 2 soll das Kind die heilige Sprache lernen, sobald es sprechen kann.