Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 6 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 260)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte der hebräischen Punktation. 257 Folgen für die Exegese gehabt, sie aber von einer zu großen Unterwürfigkeit unter das Joch der traditionellen Lesart befreit hat. Sch. hat außerdem seiner Arbeit eine ausgezeichnete Biographie Louis Cappellus' vorausgeschickt, in der er eine Anzahl von seinen Vorgängern schlecht oder ungenügend berichteter Thalsachen richtig stellt. Die Hebraisten wissen, daß der erste, welcher die Bedenken gegen das Alter der Vokalpunkte gehoben hat, ein deutscher Jude, der berühmte Elias Levita war, der, 1472 in Neustadt bei Nürnberg geboren, den größten Theil seines Lebens in Italien, in Rom, Padua und Venedig, wo er 1549*) starb, zugebracht hat. Zu einer Zeit, wo seine Glaubensgenossen, namentlich in Deutschland, in die Diskussionen rabbinischer Kasuistik oder in die dunkeln Geheimnisse der Kabbala vertieft waren, widmete sich Elias Levita dem Studium der Bibel und der hebr. Grammatik. Der Geschmack für die heilige Sprache erwachte damals unter den Christen, und Elias wurde einer ihrer geliebtesten und geachtetsten Lehrer. In der dritten Einleitung zu seinem Werk, betitelt ״Nassorst ds>m-mg,38or6i« und zum ersten Male 1538 in Venedig gedruckt, liefert er den unumstößlichen Beweis, daß die Punktation den Verfassern des Talmuds vollständig unbekannt gewesen ist. ״Nirgends," sagt Levita, ״findet man einen Unterschied zwischen dem, was gelesen wird und dem, was geschrieben ist (keri-chetib) in Bezug aus Punktation oder Accentuation; -die Varianten oder Diskussionen der Orientalen und Occidentalen beziehen sich eben so wenig darauf, — sondern sie betrachten ausschließlich die Wörter und Buchstaben. — Man hat sie also vor der Einführung der Punkte und Accente in den Text mit Anmerkungen versehen. Dagegen betreffen die Ben Ascher und Ben Naphtali zugeschriebenen Varianten nur die Punkte und Accente; sie sind also jünger als die Zeit, wo diese Zeichen erfunden worden sind.**) Die These des Elias Levita bildete also den Boden, auf *) S. über EliaS Levita, Grätz, Geschichte IX, 224 ff. - Ludwig Geiger, das Studium d. hebr. Sprache in Deutschland re. (1870), S. 56 ff. **) Diese Varianten sind am Ende der verschiedenen Ausgaben der Biblia rabbinica gedruckt.