Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 6 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 259)
- Language
- German
- Belongs to
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256 Zur Geschichte der hebräischen Punktation. statteten Uebertragungen für die Glaubwürdigkeit ihrer Erklärungen? Gewiß befand sich unter diesen Uebertragungen die Vulgata, welche, für die Katholiken wenigstens, kanonische Gültigkeit hatte. Auch nahmen die Katholiken ohne Furcht die Ansicht von der relativen Jugend der Vokalpunkte auf, ja sie sahen in derselben sogar ein bequemes Mittel, den Werth der lateinischen Uebersetzung noch mehr hervorzuheben, da ihnen dieser Umstand die häufigen Widersprüche zwischen der Vulgata und dem hebr. Grundtext erklärte: die kirchliche Gültigkeit der Vulgata aber angenommen, so hatte letztere sogar einen unbestreitbaren Vorzug vor dem hebr. Text, dessen Lesart keinerlei Sicherheit mehr bot. Die Buxtorf aber, eifrige Protestanten, hatten nicht einmal diesen höchsten Trost. Der Professor von Saumur, Cappellus, ein eben so guter Protestant wie seine Gegner, schreckte indessen vor den Konsequenzen dessen, was er für eine ausgemachte Wahrheit hielt, nicht zurück, und errang durch die Kraft seiner Logik und die Klarheit seiner Beweisführung, obwohl er nicht so gelehrt war wie die Buxtorf, einen entscheidenden Sieg. Vor der Veröffentlichung seiner Arbeit unterwarf er sie bescheidenerweise dem Urtheil der Baseler Professoren; er schickte sie hierauf dem berühmten Erpenius nach Leyden, welcher, die Ansicht Cappellus' theilend, sich beeilte, sie ohne Wissen des Verfassers und ohne ihn zu nennen, drucken zu lassen, indem er jedoch dem Werke eine Vorrede vorausschickte, in der er es mit dem ganzen Nachdruck seiner Autorität empfahl. Die Ansichten der Buxtorf und des Cappellus sind in dicken, lateinisch geschriebenen Bänden niedergelegt, welche wenige Philologen heute den Muth haben zu lesen,*) und Hr. Schneidermann hat ihnen einen wirklichen Dienst erwiesen, indem er die Geschichte dieses heftigen Streites kurz zusammengefaßt und genau und klar die Beweise angegeben hat, die auf beiden Seiten in einer Frage geltend gemacht worden sind, deren wissenschaftliche Lösung nicht die von den Buxtorf gefürchteten verhängnißvollen *) Man sehe über die einschlägige Literatur De Wette, Lehrbuch der historisch-kritischen Einleitung, 6ä. Schräder 1669, §. 123, S. 214.