Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 6 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 254 (sequence 257)
- Language
- German
- Belongs to
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254 Steinschneider, Papyrus-Fragmente. wiedergiebt, auch sonst die ägyptischen Schiffe aus Papyms erwähnt (s. L. Löw, Graphische Requisiten und Erzeugniffe bei den Juden, Leipzig 1870, S. 97, 100). Um 1170 fand Benjamin von Tudela (sä. Bert. I, 147, II, 197) allerdings nur 20 Juden (wohl Familienväter) in Fajjüm; aber in derselben Zeit lebte in Jemen Jakob ben Natanel den (?) al-Fajjümi (Catal. Bodl. S. 1912, Hebr. Bibliogr. 1875 S. 11). Die Verbindung hebräischer und griechischer Schrift, die Erwähnung von Damaskus in Nr. 2., die griechischen Namen in Nr. 3., sprechen für Aegypten als Vaterland der Fragmente, insbesondere im Zusammenhang mit dem Material, welches ihnen eine Bedeutung in der Geschichte des jüdischen Schriftwesens sichert. Hebräische Schrift auf Papyrus war meines Wiffens bisher nicht aufgefunden. ״Von jüdischen Literaturwerken hat sich nur ein einziges auf Blättern der Papierstaude geschriebenes Manuscript erhalten: Josephus" u. s. w. (Löw, 1. <5. S. 106) — d. h. in griechischer Schrift. Von fortdauerndem Gebrauch des Papyrus war meines Wiffens in der hebräischen nachtalmudischen Literatur kein Zeugniß vorhanden. Ritualrollen wählten frühzeitig mehr oder minder bearbeitete Thierhaut (vgl. de Wette, Archäologie, herausgegeb. v. Räbiger, Leipzig 1864 S. 435, und Löw S. 119 ff.). Das Schreibmaterial unserer Fragmente berechtigt sie zu dem Anspruch auf das höchste Alter erhaltener hebräischer eigentlicher Literatur, und liegt kein Grund vor, sie sämmtlich für jünger zu halten als die mit ihnen ausgegrabenen arabischen Papyrus, die Sachau (Zeitschr. 1878 S. 116) ins VIII. Jahrh. verlegte; ein arabisches Fragment weist das Jahr 125 d. H. auf, wie derselbe später gefunden hat. — So bieten diese Fragmente überhaupt einen Beitrag zur Beurtheilung der ganzen Sammlung und in ihrem Inhalt, nämlich durch die Hymnen, höchst intereffantes Material für die Geschichte der synagogalen Poesie; ihre Schriftcharaktere bekunden die anderweitig hervorgehobene Stabilität der hebräischen Schrift bei den Juden. Für die kürzlich wiederum aufgenommene Frage von der Echtheit der Grabschriften in der Krim werden unsere Fragmente nicht unbeachtet bleiben dürfen. Berlin, im Juni 1879.