Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Journal
- Magazin für die Wissenschaft des Judenthums
- Volume
- 6 (1879)
- Issue
- 1 (1879)
- Date
- 1879-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
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Die neueste Hypothese über den Priestercodex. 93 Speise- und Friedensopfern nicht die Veranlassung der Darbringung angegeben. Dies erklärt sich nur daraus, daß das Gesetz die letztern drei Opferarten als alte bereits vor der Gesetzgebung bekannte betrachtet, während Sund- und Schuldopfer erst mit der sinaitischen Gesetzgebung neu eingeführt werden. Darauf weist auch der Umstand hin, daß nur die Priesterantheile von Speise- und Friedensopfern (nie aber die von Sünd- und Schuldopfern) ״Antheile von den Feuerungen des Ewigen" genannt werden, wie dies im Magazin 1877 S. 71 und 130 erörtert worden, und auch die constanten Termini הזה התנופה und שוק התרומה sind von einem frühem Opfer-Gebrauch überkoinmen, der noch bei der Einweihung der Stiftshütte Geltung hatte, wie daselbst S. 137 f. gezeigt wurde. Wenn ferner nach Lev. 17 das Verbot der Schlachtung außerhalb des Heiligthums dem Cultus steuern sollte, so wird dort ein vorgesetzlicher Opfercultus bei den Israeliten vorausgesetzt, der allerdings zuweilen in einen Götzendienst ausartete und deshalb durch neue gesetzliche Bestimmungen beschränkt wurde. b) Die Propheten Ainos, Hosea, Jesaja, Micha und Jeremia, welche heftig gegen den Opfercultus polemisiren, gäben deutlich zu erkennen, daß sie den Opfercultus nicht als Gegenstand der Thora Gottes betrachteten (Gesch. Jsr. I, S. 58—62). Man könnte freilich dem gegenüber behaupten, daß diese Prophetenstellen, absolut aufgefaßt, auch gegen JE und Dt ankämpfen würden, denn auch hier werden häufig genug Opfer und Altäre angeordnet. Dem Patriarchen Abraham wird (Gen. 22) befohlen, den einzigen Sohn als Opfer zu bringen, und daß er dazu bereit war, wird ihm als besonderes Verdienst angerechnet (22, 12). Jacob wird von Gott ermahnt, einen Altar in Bethel zu bauen (35, 1). Im Bundesgesetze wird die Darbringung von Erstlingen der Früchte, Peßachopfer, Erstgeborenen des Viehes, Lösegeld für erstgeborene Söhne und Festopfern gefordert (Exod. man aber nicht gerade wegen Uebertretnng von Priestergesetzen, sondern, wie speciell 5, 1 — 4 lehren, stehen in dieser Hinsicht verschiedenartige Gebote auf gleicher Stufe.